Deutsche Ärzte für Zwangsarbeiter-Entschädigung im Gesundheitswesen

25. Mai 2001, 14:16
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Absage an Patentierung menschlicher Gene und Organe

Ludwigshafen - Die deutsche Ärzteschaft hat sich für die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern auch im medizinischen Bereich ausgesprochen. Ein entsprechender Beschluss wurde zum Abschluss des 104. Deutschen Ärztetag in Ludwigshafen verabschiedet. Der Vorstand der Bundesärztekammer (BÄK) solle Krankenhausträger und ärztliche Verbände veranlassen, sich am Entschädigungsfonds für ehemalige Zwangsarbeiter zu beteiligen.

Im Gegensatz zur großen Teilen der Industrie bestehe ein erheblicher Bedarf an Aufarbeitung der Verantwortung für die Beschäftigung von Zwangsarbeitern im medizinischen Bereich, hieß es zur Begründung. Bisher seien elf Kliniken dem Stiftungsfonds der deutschen Wirtschaft beigetreten.

Darüber hinaus erteilte der Ärztetag der Patentierung menschlicher Gene und Organe eine klare Absage. Der Deutsche Bundestag wurde aufgefordert, die in der EU-Richtline zum Schutz biotechnologischer Erfindungen vorgesehene Patentierbarkeit von Bestandteilen des menschlichen Körpers nicht in deutsches Recht zu überführen. Es müsse Klarheit darüber bestehen, das Gene nicht patentierbar sind, sondern lediglich Herstellungsverfahren für gentechnische Medikamente, hieß es in einem Beschluss.

In der Debatte um die Präimplantationsdiagnostik (PID) hat Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) unterdessen auf die Rechtswidrigkeit der Vermittlung von Patientinnen an Ärzte im Ausland hingewiesen. Der Berliner "Tagesspiegel" vom Freitag zitierte aus einem Brief der Ministerin an einen Stuttgarter Humangenetiker, wonach sich ein Arzt, der eine solche Vermittlung übernehme, "eine nach deutschem Recht strafbare Handlung" unterstütze. In Ärztekreisen stößt das Schreiben auf Unverständnis. Das "juristische Abschneiden der Ärzte von einer guten Beratung" sei "medizinisch unethisch", sagte Heribert Kentenich, Chefarzt einer Berliner Frauenklinik und Mitglied der Ethikkommission der Berliner Ärztekammer, dem selben Blatt. Der Ärztetag hatte zuvor vom Gesetzgeber klare rechtliche Regelungen in der Frage der PID gefordert.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, bekräftigte unterdessen die ablehnende Haltung zur Forschung mit embryonalen Stammzellen. Stattdessen sollten zunächst Alternativen ausgereizt werden wie die Gewinnung von Stammzellen aus dem Knochenmark Erwachsener oder aus Nabelschnurblut, erklärte Hoppe im Deutschlandradio. Unterstützung erhielt die Ärzteschaft von den Grünen. Mit dem Festhalten am Embryonenschutzgesetz und der Absage an die aktive Sterbehilfe hätten sich die Mediziner auf die "ethischen Grundlagen ihrer Profession" besonnen, erklärte der rechtspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Volker Beck. (APA)

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