Zwei Selbstmordanschläge in Israel

25. Mai 2001, 19:57
4 Postings

Sharon : Waffenruhe mit Palästinensern befristet - Israels Armee drang erneut in Gazastreifen ein

Jerusalem/Gaza/Mardjajun - Palästinensische Selbstmordattentäter haben am Freitag in Israel mindestens zwölf Menschen verletzt. In der nordisraelischen Küstenstadt Hadera starben nach Polizeiangaben die beiden mutmaßlichen Attentäter, als sie mit einem Taxi voller Sprengstoff einen Linienbus rammten. Zwölf Fahrgäste wurden verletzt, darunter nach Rundfunkberichten auch zwei Babys. Bei einem weiteren Selbstmordanschlag wenige Stunden zuvor sprengte sich ein Mitglied der radikalislamischen Hamas bei einem israelischen Kontrollposten im Gazastreifen in die Luft, verletzte jedoch niemanden. Als Vergeltung rückte die israelische Armee erneut auf autonomes Palästinensergebiet vor.

Die Explosion in der Nähe des Busbahnhofs von Hadera war bereits der zweite Bombenanschlag in der Mittelmeer-Stadt binnen sechs Monaten. Zu der Bluttat bekannte sich zunächst niemand. Hamas-Gründer Scheich Ahmed Yassin hatte jedoch kurz zuvor mit weiteren Selbstmordanschlägen gedroht. "Wir haben Märtyrer-Kandidaten, die es verstehen werden, die Israeli zu treffen, wo immer sie sind", sagte Yassin in Gaza. Hadera liegt zehn Kilometer nördlich von Netanya, wo ein Hamas-Mitglied eine Woche zuvor fünf Menschen mit sich in den Tod riss.

Bei dem Selbstmordanschlag im Gazastreifen raste der Hamas-Attentäter in einem mit Sprengstoff beladenen Kleinlaster auf einen israelischen Kontrollposten zu, als sein Wagen explodierte. Der Vorfall ereignete sich in der Nähe der jüdischen Siedlung Nezarim. Israelische Panzer rückten daraufhin in den Gazastreifen ein und eröffneten das Feuer auf eine palästinenische Polizeiwache. Nach palästinensischen Angaben wurden dabei fünf Polizisten verletzt.

Die Hamas erklärte auf Flugblättern, die Explosion in Gaza sei gefilmt worden, und die Aufnahmen würden veröffentlicht. Auf diese Praxis griff auch die libanesische Untergrundorganisation Hisbollah wiederholt zurück, die die israelischen Truppen während ihrer 18 Jahre andauernden Besatzung Südlibanons bekämpfte. In den vergangenen Monaten verfestigten sich die Beziehungen zwischen beiden Gruppen.

Israels Ministerpräsident Ariel Sharon kündigte an, dass sein Land auch nach dem Anschlag von Hadera an dem einseitigen Waffenstillstand der Armee festhalte. Sharon erklärte, Arafat habe nichts getan, um die Attentäter zu stoppen. Er gebe der palästinensischen Autonomiebehörde, die hinter den Terroranschlägen stecke, "nur noch ein paar Tage" Zeit, um ein Ende der Attentate anzuordnen. Die palästinensische Autonomiebehörde bezweifelte die Ernsthaftigkeit des israelischen Angebots. Vertreter der Palästinenser warfen Sharon vor, er wolle mit dem einseitigen Waffenstillstand lediglich die öffentliche Meinung in die Irre führen.

Israelische Soldaten haben nach Berichten von Zeugen am Freitag zwei Zivilisten an der Grenze zum Libanon angeschossen und verletzt. Ein 24-jähriger Palästinenser sei ins Knie geschossen worden, nachdem er versucht habe, am Kontrollpunkt Abbad auf libanesischer Seite einen Wachposten zu erklettern. Ein 14-jähriger Jugendlicher sei von Geschossfragmenten verletzt worden, als israelische Soldaten später erneut das Feuer eröffnet hätten. Die Vorfälle ereigneten sich am ersten Jahrestag des israelischen Abzugs aus dem zuvor 22 Jahre lang besetzt gehaltenen Landstreifen im Südlibanon. An einem anderen Grenzposten rissen libanesische Demonstranten nach Augenzeugenberichten am Freitag Teile des Grenzzaunes ein und hissten libanesische und Hisbollah-Flaggen.(APA/AFP/Reuters)

Share if you care.