Haider wirft Verbund "unseriöse Praktiken" vor

25. Mai 2001, 12:51
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"RWE-Einstieg bringt große Wachstumschancen für Kelag und Kärnten"

Klagenfurt - Für Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (F) ergeben sich aus dem Verkauf von 49 Prozent der Kärntner Energieholding (KEH) an den deutschen RWE-Konzern "Vorteile für die Kärntner Elektrizitäts AG (Kelag) sowie für Kärnten und seine Bevölkerung insgesamt". Gleichzeitig warf er am Freitag dem Verbund-Konzern "unseriöse Praktiken" vor.

In der Ausschreibungs- und Bieterphase sei seitens des Verbund-Konzerns bei einigen ausländischen Mitbewerbern interveniert worden. Diese sollten "ihr Kelag-Offert zurückziehen, um so selbst billiger in Kärnten einsteigen zu können", warf Haider dem Verbund vor. Weiters verwies er auf das nicht der Ausschreibung entsprechende Angebot des Verbund-Konzerns hin, der 51 anstatt der zur Ausschreibung gelangenden 49 Prozent der KEH erwerben wollte.

"Kompetenzzentrum"

Die jetzige Lösung bedeute sogar mehr als die Sicherung der bisherigen 1.300 Kelag-Arbeitsplätze. "Die Kelag ist ab sofort nicht nur die österreichweite Vertriebsplattform des RWE-Konzerns, sondern auch das Kompetenzzentrum für alle südosteuropäischen und norditalienischen Aktivitäten des deutschen Parntners. Für die Kelag bedeutet das gewaltige Wachstumschancen und damit zusätzliche hochqualifizierte Arbeitsplätze", stellte der Landeshauptmann fest.

Er wies auch darauf hin, dass die Belegschaftsvertretung den Verbund abgelehnt habe, da die Kelag-Mitarbeiter mit dem Verbund als Hauptaktionär ein ähnliches Schicksal befürchtet hätten, welches seinerzeit der ÖDK zuteil wurde: Es seien in Kärnten hunderte Arbeitsplätze abgebaut worden, um die schlecht verwaltete Zentrale in Wien zu retten. "Dass der Verbund nicht nur in der Kelag-Belegschaft auf großes Mißtrauen stößt, hat er sich selbst zuzuschreiben", dazu Haider.

Dass jetzt in Wien von einem Ende einer österreichischen Lösung gesprochen werde, quittierte der Landeshauptmann als "Vergießen von Krokodilstränen": "Ich habe seit eineinhalb Jahren eine große österreichische Wasserlösung propagiert, und ein detailliertes Expertenmodell vorgelegt. Diese Lösung war aber bei den Eigentümervertretern stets auf taube Ohren gestoßen. Man hat sich damit begnügt, unkoordiniert und mit Milliardenaufwand gegenseitig Beteiligungen zu erwerben, wovon lediglich amerikanische Pensionsfonds profitiert haben." (APA)

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