Nach Ende der Armee-Meuterei Ausschreitungen in Georgien

27. Mai 2001, 19:27
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Soldaten forderten ausstehenden Sold - Proteste von Oppositionellen zum Unabhängigkeitstag

Tiflis/Moskau - Einen Tag nach der Meuterei eines Armeebataillons ist es in Georgiens Hauptstadt Tiflis zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Bei den Prügeleien am Rande der Feiern zum 10. Jahrestag der Unabhängigkeit seien mindestens 15 Polizisten verletzt worden, teilte die Polizeiführung in Tiflis am Samstag nach Angaben der Agentur ITAR-TASS mit. Etwa 600 Gegner von Staatspräsident Eduard Schewardnadse hatten einen nicht genehmigten Aufmarsch durchgeführt.

Das Fernsehen zeigte Aufnahmen von Demonstranten, die mit Holzkreuzen auf Polizisten einschlugen. Zwei Beamte seien mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht worden. Über Verletzte unter den Schewardnadse-Gegnern gab es zunächst keine Angaben.

In der Nacht zum Samstag hatte der frühere sowjetische Außenminister Schewardnadse etwa 500 meuternde Soldaten der Nationalgarde, die seit Monaten ohne Sold blieben, zur friedlichen Beendigung ihres Protestes überreden können. Das Panzergrenadier-Bataillon kehrte am Samstagmorgen in die Kasernen in Tiflis zurück. Schewardnadse verurteilte die unblutige Meuterei zwar als "schweres Verbrechen", sicherte den Soldaten aber Straffreiheit zu.

Putschversuch oder nicht?

Die Meuterer bestritten Erklärungen der Regierung, ihr eintägiger Protest sei ein Putschversuch gewesen. Das Bataillon hatte sich am Freitag in einer Polizeikaserne vor Tiflis verschanzt, um auf seine Notlage aufmerksam zu machen. Grund für den Aufstand waren der niedrige Sold, der zudem seit mehreren Monaten nicht mehr ausbezahlt wird. Selbst ein ranghoher Offizier in der Armee der ehemaligen Sowjet-Republik verdient nicht mehr als umgerechnet 800 Schilling (58 Euro) im Monat.

Die Ehefrau eines Aufständischen sagte, die Soldaten müssten Blut spenden, um ihre Familien ernähren zu können. Als Soldaten hätten sie keine andere Möglichkeit als einen Aufstand gehabt, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, sagte der Anführer der Meuterei, Georgi Kwirilaschwili.

Der georgischen Regierung fehlt das Geld, um ihre Soldaten ausreichend zu versorgen. Aus finanziellen Gründen musste die zum Tag der Unabhängigkeit übliche Militärparade in diesem Jahr abgesagt werden. In der Vergangenheit waren in der Kaukasusrepublik mehrere Putschversuche von Offizieren gegen Schewardnadse gescheitert. (APA/dpa)

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