Bewag vor neuerlicher Tarifsenkung

25. Mai 2001, 12:29
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"Deutliches Signal" vor voller Strommarktliberalisierung

Eisenstadt - Der burgenländische Energiedienstleister Bewag senkt vor der vollen Liberalisierung des Strommarktes im Herbst 2001 - nach Verbilligungen im Juli 1999 und Jänner 2000 - zum dritten Mal seine Tarife. Das Ausmaß der Reduktion hängt von den laufenden Einkaufsverhandlungen ab, wie Vorstandssprecher Anton Schubaschitz am Freitag in Eisenstadt betonte. Die Preissenkung kommt "sicher mit 1. Oktober, wird möglicherweise auch schon etwas früher stattfinden".

Nach Ansicht von Vorstandsmitglied Günther Ofner hat die Bewag die erste Bewährungsprobe im freien Strommarkt gut bestanden: "85 Prozent der Gewerbekunden wollen uns die Treue halten." Mit den neuen Tarifen will die Bewag laut Schubaschitz "deutliche Signale setzen": So soll eine ökologische Beschaffungspolitik betrieben werden, "von Atomstrom-Produzenten wird nicht eingekauft". Das Ziel der Bewag ist es, "Bestbieter" zu sein. "Das heisst nicht, dass es immer der günstigste Preis ist, aber Preis, Service und Strompannendienst können als Bestangebot bezeichnet werden", sagte Ofner.

Hohe Netztarife im Burgenland

Die relativ hohen Netztarife im Burgenland verteidigten die Bewag-Verantwortlichen mit dem Hinweis auf die geografische Situation des Landes, die für Österreich untypische Abnehmer-Situation - rund zwei Drittel Haushalts- und Gewerbekunden, nur ein Drittel Großkunden - und das vergleichsweise neue Netz. "Wir haben sehr wenig Strom für sehr viel Leitung", fasste Ofner zusammen. Im Bereich der Bewag beträgt die Stromabgabe pro Kilometer Leitung 130.000 kWh pro Jahr, die Tiwag kommt auf 373.000, die EVU im Schnitt auf 238.000.

"Wir meinen, dass man diese Infrastruktur nicht aufs Spiel setzen darf", sagte Ofner. Ohne innerösterreichische Ausgleichszahlungen seien einheitliche Netztarife nicht darstellbar, zeigte er sich überzeugt.

Benachteiligt

Vom Gesetzgeber eindeutig benachteiligt fühlt sich der burgenländische Energiedienstleister angesichts der Auflage, acht Prozent des Strombezuges aus Kleinwasserkraftwerken zu decken. Der Anteil im Burgenland liegt derzeit bei 0,6 Prozent, bei weiteren Ausbaumaßnahmen wäre - mangels natürlicher Voraussetzungen - eventuell zu verdoppeln. Also müssen Zertifikate gekauft oder - falls das günstiger ist - Ausfallsabgabe geleistet werden. (APA)

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