Kopfschütteln über Abweisung

25. Mai 2001, 11:23
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Im AKH nicht behandelte Chinesin kann kaum mehr sprechen

Wien - "So ein Fall ist mir bisher noch nicht untergekommen." Michael Genner von "Asyl in Not" ist überrascht. "Bisher haben sich Ärzte eher an uns um Hilfe gewandt denn an die Polizei." Bei dem vom STANDARD aufgegriffenen Fall einer Chinesin, die im Wiener AKH trotz ihres Zungentumors nur unzureichend behandelt und dann der Polizei übergeben worden war, hofft Genner, es handle sich um "einen Einzelfall". Vor allem die Haftunfähigkeit hätten die Ärzte erkennen müssen. Genner rät, die Chinesin solle einen Asylantrag stellen, um in Bundesbetreuung aufgenommen zu werden. Dann sei sie versichert und könne anstandslos therapiert werden.

Die chinesische Frau sei wegen ihrer Erkrankung nicht mehr in der Lage zu sprechen, berichtet Gerd Kaminski, Geschäftsführer der österreichisch-chinesischen Gesellschaft, der gemeinsam mit einer chinesischen Studentin als Vermittler und Dolmetsch fungiert. Mit ihr zu kommunizieren sei nur schriftlich oder mittels Handzeichen möglich. Die Frau scheine große Angst zu haben, möglicherweise gebe es in China Probleme.

Mit ähnlichen Fällen ist man am Ordensspital der Barmherzigen Brüder täglich konfrontiert. Außer sich illegal in Österreich befindliche Menschen stehen auch Obdachlose oder Sozialfälle ohne Versicherung da. Weil das Spital in der Leopoldstadt "dafür bekannt ist, dass wir uns um arme Leute kümmern, schicken uns sogar andere Krankenhäuser Leute ohne Versicherung her", berichtet Primar Heinrich Mader. Pro Jahr werden rund 40.000 "Besuche", sprich ambulante Behandlungsfälle nicht versicherter Patienten, gezählt. Rund 340 davon bedürfen auch stationärer Pflege. Diese Hilfe schlägt zu Buche: Im Schnitt kostet eine ambulante Behandlung 1300 Schilling, eine stationäre 20.000 Schilling - zumeist finanziert aus Spendengeldern. (aw) (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.5.2001)

Hintergrund:
Hintertür für Nichtversicherte


P.S.K.-Spendenkonto 7064001, BLZ 60.000
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