Österreicher bleiben beim Götzen Auto

25. Mai 2001, 15:23
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Wifo: Zwei Prozent Absatzrückgang bei 10 Prozent Spritpreisanstieg

Wien - Hohe Treibstoffpreise dürften für die Österreicher kein Grund sein, auf das Auto zu verzichten. Nach einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) sinkt der heimische Treibstoffverbrauch bei einer zehnprozentigen Spritpreissteigerung bereinigt um den Effekt des Tanktourismus gerade einmal um zwei Prozent. Der Treibstoffmarkt habe sich mittelfristig als relativ "starr" erwiesen.

Gravierende Absatzrückgänge seien kurzfristig nur bei äußerst massiven Preisanstiegen zu erwarten. Die jüngsten Preiserhöhungen seien jedoch - verglichen mit den Energiekrisen 1974 und Mitte der 80er Jahren - relativ bescheiden ausgefallen, erklärte Wifo-Experte Wilfried Puwein am Freitag.

Oft keine Alternativen zum Auto

Wenig Elastizität im Treibstoffverbrauch ortet auch der ÖAMTC. "Die Menschen fahren nicht zum Vergnügen", meinte ÖAMTC-Verkehrsexpertin Elisabeth Brugger-Brandau. Meist werde das Auto für Arbeitsfahrten, Einkaufstouren oder Urlaubsreisen genutzt. In ländlichen Räumen gebe es oftmals keine Alternative zum Auto, betont die Expertin.

Der ARBÖ rät daher zu sparsamerem Fahrverhalten. Durch vorausschauende und ökonomische Fahrweise könne der Spritverbrauch auf 100 Kilometer um bis zu 2 Liter reduziert werden. Dachboxen, Skiträger oder Fahrradträger sollten außerdem nach Gebrauch sofort wieder abmontiert werden, unnötiger Ballast im Kofferraum vermieden werden.

Diverse Sparmöglichkeiten

Sparen könne man auch, indem man so früh wie möglich in den nächsthöheren Gang schalte. Außerdem sollte man den Motor nicht unnötig laufen lassen, Staus und Kolonnen, die drastisch auf den Kraftstoffverbrauch wirkten, nach Möglichkeit ausweichen, elektrische Extras, wie zum Beispiel Heckscheibenheizung, nur dann in Betrieb nehmen, wenn dies unbedingt erforderlich ist, auf den richtigen Reifendruck achten und die verbrauchsintensive Klimaanlage nur in Maßen verwenden.

Laut Wifo-Experten Puwein nehmen sich die Autofahrer diesen Rat auch zu Herzen. Bei anhaltend hohen Preisen würden die Autolenker merklich sparsamer mit Fahrzeug umgehen. Auch der Trend zu sparsameren Benzinmotoren, kleineren Autos und dem günstigeren Diesel sei nach den massiven Preissteigerungen des Jahres 2000 in den Zulassungszahlen deutlich erkennbar gewesen.

Sparsamere Autos werden populärer

Der Griff zum kleineren und sparsameren Auto macht auch nach Ansicht der Energieverwertungsagentur (E.V.A.) Sinn. Während ein durchschnittlicher österreichischer Autofahrer, der in der Regel ein 8-Liter-Auto fährt, auf 100 Kilometer rund 111 S für Treibstoff ausgibt, könnten diese Kosten bei Reduktion des Verbrauchs auf heute technisch problemlos mögliche 5 Liter auf 100 Kilometer um 45 Prozent auf 64 S verringert werden.

Um die Leute dazu zu bringen, ganz auf das Auto zu verzichten, sollte man laut ÖAMTC nicht beim Benzinpreis ansetzen. Vielmehr müsse man den öffentlichen Verkehr attraktiver machen. Die 1987 abgeschaffte Projektbindung der Mineralölsteuer (MöSt) müsse daher zumindest teilweise wieder eingeführt werden. Wenn nur ein Viertel der heuer erwarteten 40 Mrd. S (2,91 Mrd. Euro) MöSt-Einnahmen in den Verkehr zurückfließen würden, wäre das schon ein Fortschritt, so Brugger-Brandau. (APA)

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