Pflichtschullehrer- Chef für neues Gehaltsschema

25. Mai 2001, 13:31
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Walter Riegler will weg von Biennien - "Das wird den Staat am Anfang Geld kosten"

Wien - Bis spätestens 2005 sollen Österreichs Pflichtschullehrer ein neues Besoldungssystem erhalten. Dies ist eines der Ziele des neuen Vorsitzenden der Sektion Pflichtschullehrer in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD), Walter Riegler. Die Zeitvorgabe sei dabei bewusst gewählt: Einerseits habe man so Zeit für eine vernünftige Diskussion, andererseits laufe die Befristung des neuen Landeslehrer-Dienstrechts dann aus, betonte Riegler.

Kein Problem hat Riegler damit, die oft diskutierten Biennalsprünge in Frage zu stellen. In der öffentlichen Meinung würden die Lehrer davon sogar profitieren, da nach wie vor die Meinung vorherrsche, dass Biennalsprünge ohnehin schon Gehaltsanhebungen seien. Vielmehr dienten diese aber derzeit dazu, "aus einem miserablen Grundgehalt ein gutes Endgehalt zu machen". In einem neuen System könnten die Pflichtschullehrer bei einem Grundgehalt von rund 27.000 oder 28.000 Schilling brutto statt wie bisher bei 22.000 Schilling brutto beginnen. Dafür würde es weniger Gehaltsanhebungen geben - etwa alle zehn Jahre. Die genaue Ausgestaltung samt Zahlen müsse aber natürlich noch ausverhandelt werden. Insgesamt müsse die Lebensverdienstsumme inklusive Pension gleich bleiben.

Bessere Verteilung

Hauptvorteile des neuen Systems: Junglehrer würden ein angemessenes Gehalt bekommen, ältere Pädagogen nicht mehr so teuer sein. Eines sei aber klar, betonte Riegler: "Das wird den Staat am Anfang Geld kosten." Zunächst müsse nämlich Geld in das neue System eingezahlt werden, für den Bund rechnen könne es sich je nach Ausgestaltung erst nach zehn oder 20 Jahren. Für die Realisierung brauche es daher "Politiker mit Weitblick, der über die eigene Wiederwahl hinaus geht". Dass das aktuelle System mit den hohen Endgehältern zu teuer werde, hätte die Politik schon vor 30 Jahren wissen müssen: "Man hätte nur in der Gehaltstabelle nachzuschauen brauchen."

Aufräumen will Riegler auch mit dem Vorurteil, dass die Lehrer von einem "Zulagendschungel" profitieren würden. Deshalb soll das Gehalt auch gebündelt und vereinheitlicht werden. Ein reines "All-Inclusive-Gehalt" hätte aber den Nachteil, dass besonders engagierte Pädagogen nicht belohnt werden könnten. Daher solle ein finanzielles Anreizsystem geschaffen werden, womit Zusatztätigkeiten wie die Übernahme des Klassenvorstands honoriert werden können. Denkbar wäre etwa, die Vorrückung in die nächste Gehaltsstufe ein Jahr früher zu gestatten - dies hätte auch den Vorteil, dass keine komplizierten Berechnungen angestellt werden müssten und das System einfach bleiben würde. Ältere Kollegen, die bereits in der höchsten Gehaltsstufe sind, könnten durch ihr Zusatzengagement in den letzten Jahren vor der Pension entweder weniger unterrichten oder durch eine Art Zeitgutschrift früher in den Ruhestand treten.

Kein Verständnis für Ländle-Attacken

Kein Verständnis hat Walter Riegler für den Stil mancher Attacken auf die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) aus Vorarlberg. In Briefen würden er und seine Kollegen zum Teil als "Verräter" bezeichnet. Überbewerten will er den Aufstand der Vorarlberger Lehrer aber nicht. Sehr viele könnten aus der GÖD auch nicht austreten wollen, im Ländle verfüge die Gewerkschaft nur über einen Organisationsgrad von knapp 25 Prozent. Alle anderen Bundesländer lägen über 50 Prozent.

Durchaus nachvollziehen kann Riegler aber die Besorgnis der Pädagogen über die Umsetzung des neuen Landeslehrer-Dienstrechts. Natürlich bringe die Umstellung auf das jüngst beschlossene Gesetz einige Unsicherheiten mit sich, die benutzt würden, um "von außen Unruhe rein zu bringen".

Auch das im Rahmen des Finanzausgleichs vereinbarte neue Lehrer-Schüler-Verhältnis hätte bewältigt werden müssen, meinte Riegler. Dazu kämen noch die sinkenden Schülerzahlen in den kommenden Jahren. Es sei kaum denkbar, dass die Landeshauptleute ihre Vereinbarung aufschnürten oder das Ministerium plötzlich die gleiche Anzahl von Lehrern für weniger Schüler bewillige: "Da ist es doch schlauer, eine Vereinbarung zu treffen als den 'Triumph' zu haben, die Schulen ein paar Tage zuzusperren - und dann ändert sich doch nichts." Der langsame Schülerrückgang biete außerdem die Chance, den Abbau von Planstellen mittels des neuen Vorruhestandsmodells milder zu gestalten.

Für Verhaltensvereinbarungen

Sinnvoll findet Riegler den Rahmenbeschluss des GÖD-Zentralvorstands, wonach es bei einer Freisetzung von Lehrern im Herbst zu Kampfmaßnahmen kommen soll. Dabei spiele es keine Rolle, ob Kollegen gekündigt oder aber ihre befristeten Verträge nicht verlängert würden. Ausgenommen seien davon nur jene Freisetzungen, die auf Grund sinkender Schülerzahlen vorgenommen würden und jene Stellen, wo Karenzvertretungen wieder in den Dienst zurückkehrten.

Nicht nachvollziehen kann Riegler die Aufregung um die Verhaltensvereinbarungen an den Schulen. Das Thema sei sogar von der Pflichtschullehrer-Sektion "auf den Markt gebracht" worden. Eltern und Schüler würden dafür plädieren. Für viele frustrierte Lehrer wären die Verhaltensvereinbarungen eine Art "gedanklicher Notanker". Natürlich würde nicht alles an den Schulen sofort gut werden - "es wird aber auch nicht schlechter, und in manchen Fällen hilft es vielleicht." (APA)

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