Österreichischer Bergsteiger am Mount Everest verunglückt

25. Mai 2001, 13:10
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Bergsteiger aus Klosterneuburg stürzte 500 Meter in die Tiefe

Kathmandu/Wien - Ein 57-Jährige Klosterneuburger verunglückte bei einem Absturz am Mount Everest tödlich, nachdem er bereits eine Höhe von 8.500 Metern erreicht hatte, berichtete in der Nacht auf Freitag, der Internet-Nachrichtendienst EverestNews.Com.

Peter Gerfried Ganner war bereits bis in die Nähe des vorgelagerten Südgipfels gekommen, als er aus vorerst ungeklärter Ursache plötzlich 500 Meter in die Tiefe fiel. Angaben darüber, ob die Leiche bereits geborgen werden konnte, lagen vorerst nicht vor. Ganner hinterlässt eine Frau und vier Kinder.

Besteigung vermutlich unabhängig vom Bergsteiger-Team unternommen

Ganner war laut EverestNews.Com Mitglied der "Asian-Trekking International Everest Expedition". Neben dem österreichischen Ingenieur nahmen auch ein Schweizer, ein Spanier, ein Argentinier und drei Nepalesen an dieser Expedition teil. Wie der Nachrichtendienst schreibt, sei Ganners Name allerdings auf dem "Permit" einer anderen Expedition namens "Odyssey Everest Expedition" aufgeschienen.

Mit diesem Permit habe der Niederösterreicher die offizielle Erlaubnis gehabt, unter der Führung des Japaners Seizo Imanari den mit 8.848 Metern höchsten Berg der Welt zu bezwingen. Nach vorläufigen Informationen von EverestNews.Com hat Ganner die Besteigung aber unabhängig von dem genannten Bergsteiger-Team unternommen.

Bereits seit vier Wochen am Mount Everest

Der 57-Jährige war bereits vier Wochen am Mount Everest gewesen, allerdings hatte extremes Schlechtwetter einen Gipfelangriff aus dem Lager in 7.400 Metern Meereshöhe verhindert. Er und rund 400 andere Alpinisten mussten warten. Der Niederösterreicher verlängerte um zwei Wochen und wagte nach einem Wetterumschwung den Versuch, das Dach der Welt zu besteigen.

Der aus Lilienfeld gebürtige Niederösterreicher galt als äußerst erfahrener Bergsteiger, der neben schwierigen Touren in den Ost- und Westalpen vor allem ein ehrgeiziges Ziel verfolgte: Den größten Berg jedes Kontinents zu besteigen. Im Zuge seiner alpinen Karriere hatte er u.a. den Aconcagua, den Mount McKinley, den Gasherbrum II, den Elbrus, den Kilimandscharo und den Cho Oyu bezwungen.

Das große Ziel war und blieb aber seit 20 Jahren das Dach der Welt. Aus Rücksicht auf die damals noch kleinen Kinder nahm Ganner dieses erst seit etwa zwei Jahren ernsthaft in Angriff.

Fast zeeitgleich verunglückte ein australischer Bergsteiger

Fast zeitgleich kam laut EverestNews.Com und Reuters auch ein australischer Bergsteiger auf dem "Dach der Welt" ums Leben gekommen. Der 37-jährige Mark Auricht sei am Donnerstag auf der chinesischen Seite des Berges umgekommen. Er soll an einer Virusinfektion gelitten haben.

Seit der Erstbesteigung im Jahr 1953 sind über 170 Bergsteiger am Mount Everest gestorben, im laufenden Jahr mindestens sechs. Die größte Katastrophe am "Dach der Welt" ereignete sich im Frühjahr 1996, als bei einem Sturm in Gipfelnähe gleich zwölf Alpinisten getötet wurden, unter ihnen die weltweit bekannten amerikanischen Bergsteiger Scott Fischer und Rob Hall.

Über 1.000 Menschen haben den Mount Everest bisher bezwungen. Gerade bezwang der erste blinde Bergsteiger den Berg.(APA)

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