Cinemascope- Goldfisch zwischen Apfelbäumen

25. Mai 2001, 13:59
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Wie das 'Volxkino' durch Wien wandert

Wien - Eigentlich ist das Ganze nur eine logische Entwicklung gewesen. Schließlich ist es im Sommer nicht nur im Augarten, in der Krieau, in der Arena oder am Rathausplatz abends dunkel, lauschig und schön. Schließlich haben auch Gelsen im privaten Grünraum ein Recht auf Nahrung. Und: Das Beinahe-Blockbusterprogramm der Sommerkinos ist schon lange nicht mehr jedermanns Sache.

Bernd Anwander jedenfalls hat schon lange ein Gegenmodell zu bieten. Unter dem Titel "St. Balbach Art Produktion" wandert er mit seinem "Volxkino" seit nunmehr zehn Jahren durch die sommerliche Stadt. An Orte, die kinomäßig unterversorgt sind - etwa Gemeindebauanlagen - genauso wie an Orte, die ihm und seinen Weggefährten, lichtspieltechnisch interessant erschienen - etwa Parkgaragen. Spannend, aber eigentlich eine ganz andere Geschichte.

Denn mit Anwanders Gartenkino hat die hier zu erzählende nur insofern zu tun, als Obiges die Vorgeschichte zu einem neuen, ab diesem Sommer angebotenen Service darstellt: Schließlich ist bei einem Wanderkino nicht nachzuvollziehen, wieso das Publikum immer zur Leinwand und nicht die Leinwand zum Publikum kommen muss. Noch dazu, wo es doch eine Unzahl von Filmen und Videos im Privatbesitz gibt, die man auch im Freien bei Hochzeiten, Sponsionen oder sonstigen Gartenfesten zeigen möchte - für die aber der eigene Filmprojektor oder Videobeamer zu schwach sind.

"Natürlich kann sich auch jeder selbst das Equipment zusammenstellen und Filme organisieren", gibt Gartencineast Anwander zu, "aber die Qualität ist halt eine andere." Das sei mit der Frage "Partyservice oder selber den Eiaufstrich machen?" vergleichbar - wobei die Spezialhäppchen Anwanders großer Fundus an Wochenschauberichten und allerlei anderem raren Filmmaterial darstellt. "Und ein anständiger Ton ist auch nicht zu verachten, wenn man auf einer sechs mal vier Meter großen Leinwand im Garten Filme sieht."

Mit den Nachbarn, rät Anwander allerdings, sollte man nicht erst während des finalen Shootouts im Film unterschiedliche Auffassungen zum Thema "Erholungsraum Garten" zu debattieren beginnen. Schließlich geht es auch ruhiger: Für Chillout-Zonen im Schreberreich hängt der Mietkinomacher gern einmal eine Livekamera in Schwimmbecken oder Aquarien - Goldfische, die in Cinemascope durch den Garten schwimmen, lassen die rund 14.000 Schilling, mit denen das Kino zwischen den Obstbäumen mindestens zu Buche schlägt, rasch vergessen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 5. 2001)

Von
Thomas Rottenberg

www.volxkino.at
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