Malefizgestirne im Waageland

25. Mai 2001, 00:20
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Meinungsumfragen trügen oft, aber wenigstens die Sterne lügen nicht. Mit dieser Erkenntnis versucht Andreas Mölzer in der jüngsten Nummer seiner Wochenpostille "Zur Zeit", den freiheitlichen Freunden in ihrer misslichen Lage Trost zukommen zu lassen. Zu diesem Zweck greift er auf den intellektuellen Volkssturm der Bewegung zurück, auf den Parteiastrologen Harald Fidelsberger, der unter dem Titel Venus und die Politik den SPÖ-Dioskuren Alfred Gusenbauer und Josef Cap Horoskope stellt, die Jörg Haider nach langer Zeit endlich wieder einmal Anlass zu ein wenig Freude geben. Das ist ja allgemein bekannt: Zu recht unheilvollen Begegnungen zählt seit eh und je die disharmonische Verbindung von Mars und Saturn. Aber das Glück muss man einmal haben: Es mag nun ein seltsames und wenig gut zu begreifendes Aufflackern von Schicksalsfügungen sein, daß sich gerade jetzt zwei Oppositionspolitiker gefunden haben, die beide in ihrem Geburtshoroskop eine Mars-Saturn-Konjunktion (besonders stark!) verankert haben. Hätte Karl Schlögl das früher gewusst, er hätte das Aufflackern von Schicksalsfügungen nicht erst in St. Pölten richtig gedeutet.

Beim Alfred wird diese verstärkt durch den Revolutionsaspekt Sonne - Opposition Uranus, beim Josef kommt der immer etwas verwirrende Neptun dazu. Daher der Auftritt als Bio-Sepp in der "Krone". Wer 's nicht glaubt, der lese darüber im achten Band "Astrologie" von Johannes Vehlow: "Disharmonisch: Wenn diese beiden Übeltäter in disharmonischen Anblicken angetroffen werden, so ist das ein Zeichen für allerlei Rauheiten und Mißlichkeiten, die sich auf Charakter, Geschick und Gesundheit beziehen." Und wär 's nur das: "Da es sich hier um zwei gegensätzliche Planeten handelt, die aber beide als sogenannte Malefizgestirne gelten, so kann ihre disharmonische gegenseitige Winkelanblickung wenig Erfreuliches zeitigen." - Wasser auf die Mühlen jener, die an der Beschäftigungspolitik des Dritten Reiches viel Erfreuliches finden und denen Kärntens Landeshauptmann als Benefizgestirn gilt.

Gut sieht es an Fidelsbergers Firmament jedenfalls nicht aus für Gusenbauer und Cap. Es mangelt an innerer Ausgeglichenheit, denn einesteils sind Furchtsamkeit und Unsicherheit sehr hemmende Faktoren, die den Erfolg verhindern, andererseits ist rücksichtsloses Vorgehen und Egoismus oft die Ursache zu Mißerfolgen. Kurz: Die beiden sind das Letzte im Universum, aber zum Glück für die Regierung ohne jede Chance. Diese Gegensätze schaffen Dissonanzen, die zeitweise lähmend wirken und Arbeitsunlust, Indolenz Trägheit zur Folge haben, wenn nicht gar eine Neigung zu Hedonismus und Joggen. Wenn nicht andere Konstellationen dem entgegenstehen, so sind diese Geborenen zu selbstsüchtig, mitunter hart und grausam, egoistisch und sehr auf den eigenen Vorteil bedacht. Sie können skrupellos handeln und sich über die elementarsten Menschenrechte hinwegsetzen. Man muss sich das so vorstellen, als würde die SPÖ gemeinsam von Hitler und Stalin geführt, gegen die Jörg Haider als Rächer der Anständigen verzweifelt ankämpft.

Keinen hoffnungslosen, denn: Mit der auf Revolution abgestimmten Kraft des Uranus ist es allerdings bei Alfred nicht sehr weit her, will er doch alle bisherigen Maßnahmen der Regierung rückgängig machen. Und dieses Bemühen wird man wohl als reaktionär bezeichnen müssen. Aber Obacht, Jörg, nicht zu früh nachlassen! Unruhig ist Alfreds Wassermannsonne dennoch, da will man eben mit Gewalt eine Rolle spielen.

Die Sterne und Österreichs Links-Opposition haben jede Menge Einfluß, aber nach dem, was mit astrologischer Wissenschaft so alles festgestellt werden kann, kommt dieses Land noch einmal davon. Josef hat ja schon eine beachtliche Karriere hinter sich, doch das Überwiegen negativer Aspekte im Grundhoroskop hat nicht jene Erfolge gebracht, die hier erwartet wurden. In "Zur Zeit"? Jetzt sind Josefs Aspekte ja wieder etwas besser. Alfred freilich glaubt mit seiner Wassermannsonne und seiner Rücksichtslosigkeit, bedingt durch den harten Steinbockeinfluß, er könne im Waageland Österreich durch Störungen des Friedens und ständige Attacken gegen die Regierung auf Dauer punkten.

Aber Mölzer und Fidelsberger lassen die Waageländer hoffen. Im 42. Lebensjahr steht der laufende Uranus lange Zeit in Opposition zum Uranus im Geburtszeichen. Und da ändert sich sehr viel in der Beziehung zur Realitätsebene, da erleidet man den harten Griff des Schicksals. Zu denken gibt freilich: Das Wahljahr fällt erst in das 44. Lebensjahr des Alfred Gusenbauer, und nur die Sterne wissen, wer dann den harten Griff des Schicksals erleidet.

Den harten Griff des Schicksals erleiden nun auch alle, die eingeladen werden, den papierenen Bauernaufstand der "Krone" zu unterstützen. Die lässt nicht locker, wenn Cato einmal Florian Geyer spielen will: Nach der SPÖ spannte er auch die Grünen ein: Die dringendsten Anliegen unserer Bauern kommen schon demnächst ins Parlament! Grünen-Chef Van der Bellen plant - auf der Basis des "Krone"-Manifests - zehn konkrete Anträge.

Am Sonntag war schon klar: Auch die Umweltorganisationen unterstützen das Bauernmanifest, und einen Tag danach noch eine Etage höher. Ganz konkrete Forderungen an die EU: Bauernmanifest jetzt im Europa-Parlament. Dass der Sicherheitsrat der UNO das Bauernmanifest der "Krone" noch immer nicht auf seine Tagesordnung gesetzt hat, ist freilich ein Skandal. Aber was soll man erwarten - bei dem Generalsekretär! (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.5.2001)

BLATTSALAT von Günter Traxler
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