Wiener Radio: Von "Krone" an "Krone"

24. Mai 2001, 20:03
posten

Überraschung bei den Hearings zur Neuvergabe von 23 Radiolizenzen

Seit einer Woche ist Hans Peter Lehofer Chef der neuen Medienbehörde. Seit Dienstag leitet er einen Marathon von Hearings zur Neuvergabe von 23 Radiolizenzen, darunter alle privaten in Wien. Schon Mittwoch kam nach STANDARD-Informationen eine kleine Überraschung: Die umstrittene Kurzwelle Privatstiftung, gegründet von der Krone Media GmbH, präsentierte einen potenziellen Käufer ihrer rund 93 Prozent am Wiener Lokalradio 92.9.

Eine "Krone Hitradio GmbH" zeige Interesse, zitieren Sitzungsteilnehmer Stiftungsvorstand und 92.9-Anwalt Christian Ebert. Deren Gesellschafter seien ihm noch nicht bekannt. Mediaprint-Radiomanager Bernhard Weiss, auch beim Hearing, will offenbar nicht vorgreifen.

Denn "Krone Hitradio" nennt sich auch der von Weiss vor kurzem präsentierte Senderverbund um das vom Mediaprint-Partner der Krone, Kurier, kontrollierte niederösterreichische Privatradio Rpn. Rund ein Dutzend Stationen von Burgenland bis Tirol, meist teils oder ganz im Besitz von Krone oder Kurier, soll das Programm übernehmen.

Die "Krone Hitradio GmbH" steht beiden nicht fern: Nach STANDARD-Informationen gehört sie je zur Hälfte der Krone und der Kurier-Tochter ZVB.

Wurde der 92.9-Eigentümerin Kurzwelle Privatstiftung vorgeworfen, sie solle Krone-Einfluss verschleiern, würde dieser mit einem Verkauf direkter. Problematisch ist der Einfluss, weil ein Verlag laut Privatradiogesetz zwar ein Radio ganz besitzen darf, nicht jedoch ein zweites im selben Sendegebiet. Noch halten die Krone und ein Mediaprint-Manager hier aber Anteile an 88.6. Im Hearing wurde laut Teilnehmern betont, dass Kleinformat wie Manager diese Beteiligung verkaufen würden. Die bisher operativ nicht aktive 88.6-Gesellschafterin Bank Austria, hat die Übernahme einer ersten Tranche angekündigt. Rpn freilich bestrahlt auch ganz Wien, etwas entfernter verwandt ist der Kurier zudem mit der Antenne Wien.

Behördenchef Lehofer wollte zu den Informationen nicht Stellung nehmen. (fid/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.5.2001)

Share if you care.