Sanfter Neinsager mit europäischem Blick

24. Mai 2001, 19:53
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György Konrád erhielt den "Karlspreis"

Aachen - Für seine Verdienste im europäischen Einigungsprozess ist der ungarische Schriftsteller und Soziologe György Konrád ges- tern in der deutschen Stadt Aachen mit dem Karlspreis 2001 ausgezeichnet worden. Diese Ehrung sei eine "mutige Entscheidung für ein Europa der Zivilcourage und des kompromisslosen Humanismus", sagte Exbundespräsident Roman Herzog als Laudator. Das Karlspreis-Direktorium würdigte Konrád als "Brückenbauer für Gerechtigkeit und Versöhnung in Europa".

Konrád sagte ins einer Dankesrede: "Vereinigung heißt nicht Verschmelzung." Die Vereinigung sei jedoch notwendig, "damit wir die jahrtausendealte Tradition blutiger Kämpfe nicht länger fortsetzen." In diesem Zusammenhang übte der Preisträger scharfe Kritik an den Nato-Luftangriffen auf Jugoslawien im Frühjahr 1999.
Der gelernte Stadtplaner Konrád, der als Dissident bis zur Wende zumeist einem Berufsverbot als Schriftsteller unterlag, prägte unter anderem den Begriff der "Antipolitik": Konrád kritisierte wiederholt scharf die bipolare Friedensordnung nach dem Zweiten Weltkrieg, die in Jalta ihren Ausgang nahm.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 5. 2001)

Von
Gregor Mayer

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