Zur Strategie fehlt noch das Geld

24. Mai 2001, 19:59
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Forschung: Wirtschaft verspricht 20 Milliarden mehr, Regierung verspricht einen Bericht

Wien - Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in den Unternehmen werden von heuer insgesamt rund 30 bis 2005 auf 50 Milliarden Schilling - also um zwei Drittel - steigen, versprachen Vertreter der Industriellenvereinigung und der Wirtschaftskammer beim vierten Reformdialog der Regierung am Mittwoch. Österreichs Wirtschaft sei damit bereit, in einem "Bündnis für Innovationen" ihren Part für die Erreichung einer Forschungsquote von 2,5 Prozent im Jahr 2005 zu erfüllen.

Der Bündnispartner, die Regierung, zeigte sich aber nicht bereit, eine ähnlich konkrete Verpflichtung einzugehen. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel legte beim Reformdialog zwar ein Bekenntnis zur Kontinuität der Forschungsfinanzierung ab und erklärte, dass der Bund sich bei den gemeinsam notwendigen Anstrengungen "nicht entziehen werde". Wie viel Mittel zusätzlich zu dem im Budget schon verankerten Sondertopf von sieben Milliarden die Regierung wann aufbringen werde, wollte Schüssel aber nicht sagen. Auch die vom Vorsitzenden des Forschungsrats, Knut Consemüller, eindringlich vorgebrachte Mahnung, dass ohne beträchtliche zusätzliche Mittel noch in dieser Legislaturperiode das Ziel nicht erreichbar sei, bleib von Schüssel unbeantwortet.

Der Bundeskanzler kündigte immerhin an, dass es in zwei Jahren einen Zwischenbericht geben wird, in dem geprüft werde, "wo wir stehen". Bis dahin soll der Sieben-Milliarden-Topf jedenfalls vergeben sein. Heuer sollen noch zwei weitere Tranchen ausgeschüttet werden, eine im Juni, eine weitere im Herbst.

Consemüller präsentierte beim Reformdialog die lang erwartete "Forschungsstrategie Austria" des Forschungsrats. Deren Kernelement ist ein Szenario für die künftige Gewichtung der einzelnen Träger der Forschung in Österreich. Der Trend geht dabei eindeutig weg von den Universitäten zu anwendungsnäheren Einrichtungen und zur Wirtschaft (vgl. Grafik).

Unis: eingefroren

Die Finanzierung der Universitäten soll demnach mit einer Inflationsanpassung auf dem derzeitigen Niveau eingefroren werden. In Absolutwerten stiege damit ihre Mittelausstattung von rund 13 Mrd. bis 2005 auf 15 Mrd. S, bei effizienter Drittmitteleinwerbung eventuell auf 17 Mrd. S. Consemüller stellte dabei auch klar, dass es aus dem Sieben-Milliarden-Topf solange keine Zuwendungen an die Unis geben werde, solange die Uni-Reform nicht "sichtbar angegangen sei".

Von derzeit rund sieben auf 20 Mrd. S verdreifacht werden sollte demgegenüber die Dotation der "außeruniversitären Forschung", zu der der Rat Kompetenzzentren, staatliche und gemeinnützige Forschungseinrichtungen (z. B.: Akademie der Wissenschaften), Unternehmen wie Seibersdorf und Joanneum, kooperative Forschungsinstitute und auch die Fachhochschulen zählt. Von diesem Sektor wird die stärkste Hebelwirkung auf die privatwirtschaftliche Forschung erwartet.

Schließlich sollen die Unternehmen bis 2005 um zwei Drittel mehr als heute in die Forschung investieren.

Consemüller stellte aber auch klar, dass die Sicherung der Finanzmittel einhergehen müsse mit der Sicherung der notwendigen Humanressourcen. Langfristig gelte dazu dass Ziel der Verdopplung der Akademikerquote, kurzfristig müssten aber auch offene Grenzen für die Forscher garantiert werden. Der Rat fordert daher, Forscher generell aus der Ausländerquote herauszunehmen. Jeder qualifizierte Forscher finde schon heute in der Quote Platz, konterte Schüssel. (jost, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 5. 2001)

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