"Benes-Dekrete nur mehr Frage für Historiker"

24. Mai 2001, 19:44
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Tschechischer Regierungschef Zeman in Slowenien

Laibach - Der tschechische Regierungschef Milos Zeman hat am Donnerstag seinen zweitägigen Besuch in Slowenien begonnen. Zeman wurde von Ministerpräsident Janez Drnovsek auf Schloss Brdo bei Kranj (Krainburg) empfangen. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz wurde Zeman gefragt, wie er die Forderungen "eines Teiles der österreichischen Öffentlichkeit" nach Aufhebung der Benes-Dekrete und der AVNOJ-Beschlüsse beurteilt. Tschechien und Österreich hätten diese Frage seiner Meinung nach schon im März dieses Jahres gelöst, antwortete Zeman. Die Benes-Dekrete seien nur mehr eine Frage der Geschichtsforschung.

"Politiker befassen sich mit der Zukunft, wer sich mit der Vergangenheit befasst, ist kein richtiger Politiker", fügte der tschechische Regierungschef hinzu. Die Benes-Dekrete waren im März Gegenstand heftiger Debatten bei einer "Dialogkonferenz" von tschechischen und österreichischen Experten an der Diplomatischen Akademie in Wien. Die Benes-Dekrete und die AVNOJ-Beschlüsse bildeten die Grundlage für die Vertreibung der deutschen Volksgruppe aus der Tschechoslowakei bzw. Jugoslawien nach dem Zweiten Weltkrieg.

Am Nachmittag sprach Zeman mit Sloweniens Staatspräsident Milan Kucan, der am Montag Prag besuchen will. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz unterstrichen Zeman und Drnovsek, dass die EU-Kandidatenländer ihre Beitrittsbemühungen koordinieren müssten. "Einheit bringt Macht", betonte Zeman. Er sprach die Hoffnung aus, dass Slowenien beim NATO-Gipfel nächstes Jahr in Prag zu einem Beitritt zu dem Bündnis eingeladen wird. Tschechien ist seit 1999 NATO-Mitglied. Zeman gratulierte Slowenien, dass es Mitte Juni Gastgeber des amerikanisch-russischen Gipfels der Präsidenten George W. Bush und Wladimir Putins sein wird. (APA)

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