Edelbert Köb plant für MUMOK "Rückeroberung"

25. Mai 2001, 14:13
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Erste Vorstellung des neuen Direktors

Wien - Edelbert Köb, ehemalige Leiter des Kunsthauses Bregenz, Ex-Secessionspräsident und Akademieprofessor, wird nach einem Hearing einer Auswahlkommission am Mittwoch mit 1. 1. 2000 Lorand Hegyi als Direktor des Museums Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (Mumok) nachfolgen. Am Freitag fand ein Pressegespräch gemeinsam mit Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) statt.

Ministerin Gehrer nannte als ausschlaggebend, dass bei Köb "künstlerische Kompetenz mit Managementqualitäten und kreativem Geschäftssinn verbunden sind". Das neue Haus im Museumsquartier, das am 15. September eröffnet wird, soll er als wissenschaftliche Anstalt vollrechtsfähig leiten.

"Rückeroberung"

Köb kündigte für das MUMOK Expansives an, eine "Rückeroberung der dem Museum zustehenden Themenführerschaft": In der Konkurrenzsituation im neuen Museumsquartier gelte es, mit einem strategischen Programm verschiedene Felder zu besetzen.

Etwa bei der Diskussion von Kunstfilm und Filmkunst, wie sie heuer von der Viennale thematisiert wird, könnte sich Köb vorstellen, dass das Museum der Ort wäre, wo ein solches Thema abgehandelt wird. Auch der Diskurs um die Dokumentation in der zeitgenössischen Kunst wäre ein Thema, das das Museum führend behandeln könnte.

Beim von Köb geplanten Einstieg in Kunsttheorie und in den aktuellen Kunstdiskurs verwies verwies auf auf sehr aktive Hochschulen - aber man könnte "vielleicht Synergien schaffen". (Anm.: In diesen Bereiche hatte sich in den vergangenen Jahren das "Depot" im Museumsquartier profiliert, dessen Verbleib im Rahmen des "Quartier 21" ein unentschiedenes Kulturpolitikum ist.)

Gerhard Richter als Wunsch

Im Ausstellungssektor will Köb auf publikumswirksame Namen im klassischen Bereich nicht verzichten; Köb erinnerte hier daran, dass Wien noch nie eine Gerhard Richter Ausstellung hatte. Die Sammlungsgeschichte sei "zu respektieren". Beim weiteren Ausbau sollten die vorhandenen Schwerpunkte betont und neue Schwerpunkte geschaffen werden. Eine Sammlungstätigkeit die "nicht so sehr in die Breite" gehe, würden auch die heutigen Marktpreise anraten.

"Nicht begeistert" zeigte sich Köb bei Nachfrage von dem neuen Namen "MUMOK". Er hoffe, dass es noch nicht zu spät sei, darüber noch einmal ausführlich zu diskutieren.

Werdegang

Edelbert Köb, geboren 1942 in Bregenz, studierte von 1961 bis 1965 Malerei und Graphik sowie Kunsterziehung an der Akademie der bildenden Künste Wien. Seit 1974 ist er Professor für Werkerziehung und Leiter des Instituts für Werkerziehung an der Akademie. Von 1985 bis 1995 und von 1997 bis Anfang 2001 war er Prorektor der Akademie. 1982 bis 1991 war Köb Präsident der Wiener Secession, von 1990 bis 2000 leitete er höchst erfolgreich das neu geschaffene Kunsthaus Bregenz.

Köb hat darüber hinaus zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland kuratiert, zuletzt die Max Weiler-Retrospektive 1999 im Künstlerhaus und der Akademie Wien und den österreichischen Beitrag zu der vor wenigen Tagen eröffneten Mailänder Ausstellung "Anteprima Bovisa". An der Wiener Akademie der bildenden Künste war er bei der Rektorswahl vor wenigen Monaten dem deutschen Kunsttheoretiker Boris Groys unterlegen bzw. hatte seine Bewerbung vor dem letzten Wahlgang zurückgezogen. Köb ist außerdem seit Jänner Mitglied des Bundes-Beirats für bildende Kunst. (APA/red)

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