USA: Senator Jim Jeffords verlässt die republikanische Partei

24. Mai 2001, 20:07
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Ein ewiger Renegat zieht die Konsequenzen

Der bisherige Gleichklang der vier "Singing Senators" - Fraktionsführer Trent Lott, der ehemalige Senator und derzeitige Justizminister John Ashcroft, Larry E. Craig und Jim Jeffords - endete mit grellen Misstönen, allerdings nicht nur in diesem Quartett von ideologisch unterschiedlichen Republikanern: Die Entscheidung des 67-jährigen Jeffords, der republikanischen Partei den Rücken zu kehren und im Senat von nun an als Unabhängiger zu agieren, stört die Harmonie im gesamten republikanischen Lager.

Trotz Jeffords' eindeutig liberaler Einstellung, die er über die Jahre mehrmals unter Beweis stellte - er bezeichnet sich selbst als "Renegaten" -, kam sein Austritt aus der Partei für viele überraschend. Al- lerdings könnte Jeffords einen berühmten Überläufer, nämlich Ronald Reagan, zitieren, der anlässlich seines eigenen Wechsels von den Demokraten zu den Republikanern im Jahr 1962 behauptet hatte, nicht er hätte seine Partei im Stich gelassen, sondern seine Partei hätte ihn verlassen.

Der aus einer uralten neuenglischen Familie stammende Jeffords spricht sich seit jeher für das Recht der Frau auf Abtreibung aus, er ist ein Befürworter von starken umweltschützenden Maßnahmen sowie ein Gegner von Diskriminierung von Homosexuellen und unterstützt stärkere Waffenkontrollen. 1981 war er der einzige Republikaner, der gegen Reagans Steuersenkungen stimmte. 1991 stellte er sich gegen seine Parteifreunde und votierte gegen die Bestellung des umstrittenen Obersten Richters Clarence Thomas. 1994 verurteilte er den Inhalt des konservativen und von Newt Gingrich initiierten "Vertrags mit Amerika" als "südlich, religiös und rechtsgerichtet - das ist nicht Amerika". Und 1998 war er einer von nur fünf Republikanern, die gegen die Amtsenthebung von Bill Clinton stimmten, eine Entscheidung, die er als "persönlich qualvoll, aber letztlich richtig" bezeichnete.

James Merrill Jeffords wurde 1934 in Rutland, Vermont, als Sohn eines ehemaligen Obersten Richters geboren, 1962 promovierte er als Jurist an der Harvard Law School. 1967 wurde er zum Senator des Staates Vermont gewählt, von 1975 bis 1988 vertrat er Vermont im Repräsentantenhaus. 1988 wurde er von seinem von Demokraten dominierten Staat in den Senat entsandt, wo er bisher zweimal wiedergewählt wurde. Bei den Wahlen im November erhielt er fast 66 Prozent der Stimmen - und wird voraussichtlich die nächsten sechs Jahre als Unabhängiger im Senat verbleiben.

Jeffords ist mit Elizabeth Daley verheiratet und hat zwei Kinder, Leonard und Laura. Seine kärgliche Freizeit widmet er im Winter dem Langlauf oder dem Skifahren. Außerdem hat der Mann, der als sanft und liebenswürdig bekannt ist, einen Schwarzen Gürtel in Taekwondo. (DER STANDARD, Print, 25.5.2001)

Susi Schneider
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