Das Tauziehen um gentechnisch veränderte Organismen

24. Mai 2001, 15:59
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Unterschiedliche Nationen - völlig unterschiedliche Sichtweisen

Wien - Die Biotechnologie hat - speziell in der Landwirtschaft - mit einem Riesenproblem zu kämpfen: Unterschiedliche weltanschauliche und umweltschützerische Ansichten haben zu zum Teil fundamentalen Differenzen zwischen Ländern und Kontinenten geführt. Das spielt sich auch auf der Ebene der Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Organismen (GMOs) ab. Dr. David S. Heron, Biotechnologie-Experte des US-Landwirtschaftsministeriums, betont die Notwendigkeit einer Harmonisierung.

Der Fachmann, der sich diese Woche zu einem Kurzbesuch in Wien aufhielt: "Wir Fachleute können der Politik nur Vorschläge machen, was die Zulassung oder Nichtzulassung von GMOs betrifft. Es wird immer eine Aufgabe der Politiker sein, darüber zu entscheiden. Aber wir müssen die optimale Basis für diese Entscheidungen schaffen."

Regelwerke

Heron, Biologe und "Pflanzenpathologe" von der Ausbildung her, ist "Senior Biotechnologist" beim Tier- und Pflanzengesundheits-Inspektionsdienst des US-Landwirtschaftsminsteriums (Animal and Plant Health Inspection Service, USDA-APHIS). Dieses ist beispielsweise für die Genehmigung von Feldversuchen mit gentechnisch veränderten Pflanzen zuständig. Der Fachmann über die grundlegenden Unterschiede bei diesen Verfahren zwischen den USA und Europa: "In den USA hat man sich entschlossen, die Genehmigungsverfahren auf Grund schon bestehender Gesetze durchzuführen. In Europa hat man neue Regelungen geschaffen."

In den USA sind das Landwirtschaftsministerium, die Umweltschutzagentur EPA und die Nahrungs- und Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) mit diesen Fragen beschäftigt. Je nach geplanter Verwendung der Pflanzen unterscheiden sich die Einschaltung der jeweiligen Behörde bzw. das Verfahren.

Das Beispiel eines der Spezifika bei den US-Regelungen: Stellt sich nach mehreren Jahren Erprobung einer gentechnisch veränderten Pflanze heraus, dass sie keinen Unterschied zu nicht veränderten Pflanzen darstellt, kann sie aus dem "regulierten" Status als Gentech-Produkt entlassen werden.

Harmonisierung tut Not

Doch egal, wie unterschiedlich - von Land zu Land, von Kontinent zu Kontinent - die Regelungen rund um GMOs sein mögen, eine Harmonisierung tut Not. Heron: "Wenn wir mit unseren Kollegen in Europa zusammenkommen, stellt sich sehr schnell heraus: Wir stellen rund um die Sicherheit von gentechnisch veränderten Pflanzen die selben Fragen. Wir analysieren diese Fragen auf ziemlich ähnliche Weise und wir kommen oft zu den selben Antworten."

Möglicherweise könnten bei der angestrebten Harmonisierung der Zulassungsverfahren für GMOs sogar Nicht-EU-Länder federführend werden. Der US-Experte: "Ich war gerade in der Slowakei bei einem Expertentreffen. Mit Unterstützung der EU werden dort, in Ungarn, Rumänien und anderen Staaten Osteuropas Seminare zu dem Thema veranstaltet." Dabei geht es vor allem um die Analyse der bestehenden Regelungen und um Hilfe bei der Schaffung der Voraussetzungen für die zukünftige Arbeit der nationalen Behörden auf diesem Gebiet. Durchaus möglich ist es da, dass in den Ländern Osteuropas GMO-Regelungen geschaffen werden, welche die Positiva aus der EU und den USA vereinen. (APA)

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