Washingtons großer CO2-Schmäh

26. Mai 2001, 19:50
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Studie beweist: Die Zunahme des Kohlendioxids in der Atmosphäre lässt nicht automatisch die Wälder wachsen

London - Die Argumentationsweise der neuen US-Regierung in Sachen Treibhaus-Effekt ist bekannt: Der vom Menschen verursachte steigende CO2-Gehalt in der Atmosphäre führe zu einem vermehrten Wachstum von Pflanzen, die ihrerseits immer mehr CO2 in ihrer Biomasse speichern und somit jeglichen Treibhauseffekt abfangen würden. Einige US-Wissenschafter behaupteten gar, der Treibhaus-Effekt werde den Planeten begrünen und damit zum Segen werden. [Wohlweislich wiesen sie dabei jedoch nur auf inner-amerikanische Vorteile hin, die sie sich aus einer Verschiebung der Vegetationszonen in die jetzigen Brachlandgebiete Alaskas hinein erhoffen. Kein Wort über die Auswirkungen auf diejenigen (Enwicklungs-)Länder, die jetzt in der Grünen Zone liegen.]

Eine neue Studie nimmt derartigen Spekulationen nun ohnehin den Wind aus den Segeln: Der vom Menschen verursachte Anstieg von Kohlendioxid (CO2) in der Luft lässt Bäume nur dann schneller wachsen, wenn ausreichend Nährstoffe und Wasser zur Verfügung stehen. Das berichten amerikanische Forscher in der britischen Fachzeitschrift "Nature" (Bd. 411, S. 466 u. 469). In der bisher größten Studie über die Auswirkungen der steigenden CO2-Konzentration auf Wälder zeigen sie damit, dass diese nicht automatisch als Speicher für das Treibhausgas wirken.

Kurzer Schub

Ram Oren und seine Mitarbeiter von der Duke Universität in Durham (USA) hatte seit 1996 die Auswirkung gezielter CO2-Anreicherung in mehreren insgesamt 700 Quadratmeter großen, eingeschlossenen Probeflächen mit jungen amerikanischen Kiefern (Pinus taeda) untersucht. Diese wuchsen inzwischen bis zu 15 Metern hoch. Er fand, dass zusätzliches CO2 die Bäume nur kurzfristig besser wachsen ließ - nach drei Jahren normalisierte sich das Wachstum wieder.

Lediglich bei zusätzlicher Stickstoffdüngung wurden die Bäume beständig größer und speicherten den Kohlenstoff in ihrem Holz. Dieser Effekt zeigte sich vor allem in feuchten Jahren. Dies bedeute, dass zusätzliches Kohlendioxid in der Luft nur dann zu einer starken Speicherung führe, wenn andere begrenzende Faktoren, vor allem der Stickstoff, in ausreichendem Maße vorhanden sind, sagen die Forscher.

An den gleichen Versuchsflächen fand Orens Kollege William Schlesinger, dass das vermehrte CO2-Angebot kaum und nur für kurze Zeit zu einer Vermehrung organischen Materials in abgestorbenen Blättern und im Boden führte. Gerade die Speicherfähigkeit der Waldböden ist ein kritischer, bisher unbekannter Faktor bei der Abschätzung, wie viel CO2 die Wälder der gemäßigten Regionen aufnehmen können. (APA/red)

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