China billigt Rückgabe von US-Spionageflugzeug

24. Mai 2001, 15:08
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Scharfe Kritik gegen Bushs Dalai-Lama-Besuch

Peking/Washington - China hat überraschend der Rückgabe des am 1. April auf der Insel Hainan notgelandeten US-Spionageflugzeugs an die Vereinigten Staaten zugestimmt. Die Maschine solle allerdings nicht zurück fliegen, sondern zerlegt und dann per Schiff in die USA transportiert werden, sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Zhu Bangzao, am Donnerstag. Die US-Botschaft in China erklärte allerdings, sie wisse nichts von einer solchen Einigung.

Scharfe Kritik übte Zhu am Empfang des Dalai Lama durch US-Präsident George W. Bush. Das tibetische Oberhaupt sei ein "politischer Exilant, der lange Zeit die Spaltung Chinas betrieben" habe. Der Empfang fiel mit dem 50. Jahrestag der Annexion Tibets zusammen. Für Verstimmung sorgte auch ein Kurzbesuch des taiwanesischen Präsidenten Chen Shui-bian in New York.

Flugzeug soll per Schiff in USA transportiert werden

Peking könne der von der US-Regierung gewünschten Reparatur und dem Rückflug der EP-3 nicht zustimmen, sagte Zhu. Das Flugzeug solle deshalb per Schiff in die USA transportiert werden. Ein US-Diplomat in Peking betonte hingegen, beide Seiten verhandelten noch über die Rückgabe des Spionageflugzeugs. Nach Schätzungen von US-Technikern würde die von Washington gewünschte Reparatur rund zwei bis drei Wochen in Anspruch nehmen, eine komplette Zerlegung des mit hochmoderner Abhörtechnik ausgerüsteten Fliegers aber 30 bis 40 Tage. Der Zusammenstoß der US-Maschine mit einem chinesischen Abfangjäger hatte die Beziehungen beider Staaten auf eine schwere Belastungsprobe gestellt. China hatte die Besatzung der EP-3 elf Tage lang auf Hainan festgehalten. Das Flugzeug steht seitdem auf einem Rollfeld auf Hainan.

Zhu kritisierte, das Verhalten der US-Regierung habe deutlich zur Verschlechterung des chinesisch-amerikanischen Verhältnisses beigetragen. Washington habe mehrfach "in Chinas innere Angelegenheiten eingegriffen". Zu den kritischen Punkten zählen nach seinen Worten auch das US-Engagement für Tibet und Taiwan.

"Fehlverhalten der US-Regierung"

Bush hatte dem Dalai Lama seine volle Unterstützung zugesagt. Mit dem als privat deklarierten Treffen hätten die Vereinigten Staaten "gegen die grundlegenden Regeln internationaler Beziehungen verstoßen", betonte Zhu. Nach Auffassung Chinas ist der seit 1959 im indischen Exil lebende Dalai Lama der Anführer von "Separatisten", obwohl er seine Forderung nach Unabhängigkeit inzwischen aufgegeben hat und nur noch eine größere Autonomie für seine 1951 annektierte Heimat wünscht. Die staatlichen chinesischen Tageszeitungen würdigten den 50. Jahrestag der Annexion mit seitenlangen Kommentaren. Die Invasion des Bergreiches sei eine "friedliche Befreiung" der Tibeter von "imperialistischen Kräften" und dem feudalen Leibeigenensystem gewesen, hieß es.

Wegen des Zwischenstopps Chens in New York hatte der stellvertretende chinesische Außenminister Zhou Wenzhong von einem gravierenden "Fehlverhalten der US-Regierung" gesprochen. Damit unterstütze Washington "die Arroganz der separatistischen Kräfte, die die Unabhängigkeit Taiwans wollen". Der taiwanesische Präsident hatte sich am Montag vor einer Rundreise durch fünf Staaten Südamerikas mit Abgeordneten des US-Kongresses sowie mit dem New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani getroffen. Taipeh bezeichnete den Besuch als "diplomatischen Durchbruch". Bushs Vorgänger Bill Clinton hatte sich stets bemüht, Peking nicht zu brüskieren. (APA)

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