"Dotwin-Attacks!"

26. Mai 2001, 23:06
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Pro Sieben-Werbegag narrte sogar deutsche Verbraucherzentrale

"Bring mich zum Licht!", betteln die Dotwins. Bis 6. Juni läuft auf dem deutschen Privatsender Pro Sieben eine Gewinnspiel-Aktion, die bereits für einige Aufregung gesorgt hat.

Das Licht, das die Dotwins fordern, strahlt das TV-Gerät aus. Geht es also nach Pro Sieben, sollte das 38-Millimeter-Durchmesser-Alien bei bestimmten Sendungen auf dem Bildschirm platziert und danach wieder entfernt werden.

Das rief Anfang Mai Verschwörungstheoretiker auf den Plan. Bald kursierten im Internet Mitteilungen, wonach dieses rotköpfige, kulleraugige Etwas aus Pappe und Filmschichten von einem Prozessor aus dem Hause Infineon gesteuert würde. "Durch das Licht aus der Bildröhre wird ein elektronischer Chip im Innern des Dotwins aktiviert, der von diesem Augenblick bis zum Ende der Sendung Unmengen von Informationen sammelt", heißt es etwa auf der Homepage members.tripod.com/gexieyglccv52481. Die Dotwin-Invasion aus dem Pro Sieben-All hätte es auf Kundendaten abgesehen: das Modell des Fernsehgerätes oder auch Stimmprofile der ZuseherInnen. Auch SchwarzseherInnen sollten sich fürchten, heißt es dort weiter, denn die deutsche Gebühren-Einzugs-Zentrale erhalte ihre Daten.

Die Warnung vor dem Chip wurde alsbald als Hoax enttarnt. "Führ mich hinters Licht", berichtete beispielsweise das Netz-Magazin telepolis. Das bisher letzte bekannte Opfer dieses Fakes: die Verbraucherzentrale Brandenburg. Pro Sieben selbst rät interessierten ZuseherInnen auf der Homepage mittlerweile, das Dotwin zu sezieren: "Jeder, der sich selbst vergewissern will, kann dies leicht überprüfen, indem er den DOTWIN in seine einzelnen Bestandteile zerlegt".

Die Verschwörungs-Theorien dürften der Werbeaktion des Senders – übrigens eine Kooperation mit "Bild", Mc Donald’s, Shell, der Deutschen Bank 24 und T-D1 - nicht geschadet haben. Und einige ZuschauerInnen könnten bei "Dotwin-Attacks!" wohl auf das Zappen vergessen haben ... (red)

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