amnesty international ist 40

29. Mai 2001, 06:57
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Länderbericht Österreich: Von Vorwürfen der Misshandlung durch Exekutivbeamte bis zum Paragraph 209

Wien/London - Tausende Menschen haben am Montag mit einem Umzug in London das 40-jährige Bestehen von Amnesty International (ai) gefeiert. Mit Musik zogen Gründungsmitglieder, ehemalige politische Gefangene und Menschenrechtsaktivisten durch die Straßen der britischen Hauptstadt zum Trafalgar Square, wo eine große Kundgebung stattfand.

Die heute weltweit agierende Menschenrechtsorganisation entstand durch einen Zeitungsartikel eines britischen Rechtsanwalts, der sich für zwei Gewissensgefangene in der portugiesischen Salazar-Diktatur einsetzte. Am 28. Mai 1961 veröffentlichten Zeitungen rund um den Globus den Appell des Anwalts Peter Benenson für die "Vergessenen Gefangenen". Heute sind weltweit rund eine Million Menschen für amnesty tätig und der Jahresbericht gilt als internationales "Menschenrechts-Barometer".

Das Schicksal zweier portugiesischer Studenten unter der damaligen Diktatur von Antonio Salazar in Portugal war Anlass für den Aufruf des britischen Rechtsanwaltes. Die jungen Männer waren zu sieben Jahren Haft verurteilt worden, weil sie in einem Lokal "auf die Freiheit" angestoßen hatten. Peter Benenson appellierte damals an Menschen in aller Welt, sich unparteiisch und friedlich für die Freilassung von gewaltlosen politischen Gefangenen einzusetzen. Innerhalb eines Monats boten mehr als 1.000 Menschen ihre Hilfe an. Aus diesem "Appell gegen die Ohnmacht" entstand amnesty international.

Heute ist amnesty mit über einer Million Mitgliedern in über 140 Staaten die weltweit größte Menschenrechtsorganisation. Sitz der Organisation ist London, wo im Internationalen Sekretariat 300 hauptamtliche Mitarbeiter die Berichte erarbeiten und die Informationen über neue "Fälle" prüfen. Über die Jahre hinweg hat sich auch das Aufgabengebiet weiterentwickelt: So wurde aus der Gefangenenhilfsorganisation zur Freilassung von klassischen "Gewissensgefangenen" eine Bewegung, die sich für die Durchsetzung aller 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte einsetzt.

Österreich-Sektion rund 30 Jahre alt

Die Österreich-Sektion von amnesty wurde erst vor rund 30 Jahren im Jahr 1970 gegründet. Der 40. Jahrestag ist aber auch für die etwa 1.000 aktiven ai-Mitglieder in Österreich Anlass zum Feiern. Dabei wird aber kein zentrales Fest veranstaltet, sondern die einzelnen Gruppen sind in ihrem Aktionsbereich tätig. So spielte etwa am 21. Mai in Leoben die Bigband der Musik- und Kunstschule zu Gunsten von ai. Am 9. Juni treten bei einem Benefizabend im Mozarteum in Salzburg der A-Cappella-Chor "AUFTAKT ? schöne töne" und der Kabarettist Ingo Vogl auf.

Auch der amnesty-Jahresbericht wird heuer am 30. Mai in Zusammenhang mit dem 40-Jahr-Jubiläum präsentiert. Der Jahresbericht gibt einen Überblick über die Menschenrechtssituation in 140 Ländern - darunter auch Österreich: Hier reicht das Spektrum von Vorwürfen der Misshandlung durch Exekutivbeamte bis zum Paragraph 209 des Strafgesetzbuches, der für Homosexualität von Männern restriktivere Altersgrenzen als für Heterosexualität und Homosexualität von Frauen vorsieht. (APA)

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