Die zehn Felder der "Forschungsstrategie Austria"

23. Mai 2001, 17:23
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Forschungsrat erstellt Liste der Stärken, die gestärkt werden sollen

Wien - Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) empfiehlt in seiner am Mittwoch beim Reformdialog der Bundesregierung vorgelegten "Forschungsstrategie Austria" zehn sogenannte Strategieelemente zur Erreichung des Ziels einer Forschungsquote von 2,5 Prozent. Im Folgenden eine Zusammenfassung dieser Vorschläge. Die gesamte Strategie ist auf der neuen Homepage des Rates unter http://www.rat-fte.at zu finden.

1.) "Sicherstellung der langfristigen Finanzierung": Der Rat fordert die Bereitstellung der erforderlichen Mittel durch eine "stetige Erhöhung der budgetären Dotierung der F&E-Ausgaben auf Bundes- und Länderebene" sowie durch die Realisierung einer langfristigen außerbudgetären F&E-Dotierung, zum Beispiel in Form einer für die öffentliche Hand und für Private offenstehende Stiftung. Weiters fordert der RFT Stetigkeit der steuerlichen Maßnahmen sowie den Abschluss von Bund-Länder-Verträgen zur Sicherstellung gemeinsamer Prioritäten.

2.) "Konzentration auf Aktivitäten mit großer Hebelwirkung von öffentlichen auf private Mittel": Öffentliche Mittel sind nach Meinung des Rates in erster Linie auf jene Bereiche zu konzentrieren, wo durch Fördermaßnahmen überdurchschnittliche zusätzliche Ausgaben der Unternehmen induziert werden. Dazu zählen u.a. Unterstützung der Neugründung innovativer und forschungsintensiver Unternehmen, Stimulierung von Unternehmensgründungen an Universitäten, Anreizsysteme für eine verstärkte Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und die Förderung hochinnovativer, riskanter Forschungsvorhaben.

3.) "Stärken stärken - Zukunftsfelder forcieren": Der Rat hat eine Liste von österreichischen "Stärken- und Zukunftsfeldern" sowohl in der Grundlagen- und der angewandten Forschung als auchin der technologischen Entwicklung erstellt. Die Förderung thematisch ausgerichteter Impulsprogramme sollte auf diese Stärken konzentriert und ein Förderbonus für Projekte in diesen Stärkefeldern im Rahmen horizontaler Förderprogramme (z.B. Forschungsförderungsfonds für die gewerbliche Wirtschaft, FFF) realisiert werden. Als solche zukunftsweisende Technologiebereiche nennt der Rat in der Strategie Life Sciences, z.B. Bio- und Gentechnik sowie Medizintechnik; Informationstechnologien, z.B. Multimedia-Technologien, e-business, digital content, Mikrolektronik und Telekommunikation; Nano- und Mikrotechnologien; Mobilität und Verkehr, z.B. Intermodalität, Verkehrslogistik, Fahrzeugtechnologien, Tunnelbau; sowie Umwelt und Energie, z.B. nachhaltige Energien, umweltgerechtes Bauen und Wohnen.

4.) "Kooperationen forcieren": Förderprogramme sollen Impulse für eine stärkere Kooperation zwischen Unis, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft geben. Durch Forcierung von Clusterbildungen soll die institutionelle Schnittstellenbildung unterstützt und die Zusammenarbeit zwischen den Förderstellen durch strukturelle Reformen verbessert werden. Der Rat erachtet es zudem für notwendig, das derzeitige System der Wirtschaftsförderung und -finanzierung auf Bundes- und Landesebene zu vereinfachen und kundenfreundlicher zu gestalten.

5.) "Bewusstsein schaffen / verstärken": Nach Ansicht des Rates müssen der Öffentlichkeit verstärkt die positiven Auswirkungen von Forschung und Innovation vermittelt werden. Der RFT wird deshalb eine Imagekampagne für Forschung und Technologie initiieren. Außerdem müsse die Öffentlichkeitsarbeit aller wissenschaftlicher Einrichtungen verstärkt werden.

6.) "Anreize für eine Hebung der Forschungsbeteiligung": Da ein Großteil der österreichischen Unternehmen, v.a. der Klein- und Mittelbetriebe, bisher nicht oder zu wenig in F&E tätig sind, sieht der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) die Notwendigkeit für das Heranführen neuer Akteure an eine regelmäßige Innovationstätigkeit. U.a. schlägt der Rat Mobilitätsprogramme zur Erleichterung des Transfers von Forschern in die Wirtschaft, spezifische F&E-Kooperationsprogramme für Klein- und Mittelbetriebe sowie verstärkte Unterstützungen für Technologietransfer vor.

7.) "Stärkung der Akzeleratoren (Humanressourcen und Informationstechnologie)": Das Vorhandensein von qualifizierten und motivierten Mitarbeitern ist für den Rat von zentraler Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft und Wissenschaft. Den Ausbildungsbereich hält der Rat für eine Stärke Österreichs, Schwächen wie die "Output-Defizite im Tertiärbereich" oder das Fehlen von Fachkräften im IT-Bereich seien zu beheben. Der RFT empfiehlt der Regierung ein "alle Systemstufen umfassendes Ausbildungskonzept sowie Programme zur Förderungen des technisch-naturwissenschaftlichen Interesses im Schulsystem. Weiters empfiehlt der Rat Maßnahmen, um Frauen verstärkt zur Wahl von Forschungsberufen zu motivieren. Bestehende Mobilitätshindernisse in der Forschung seien insbesondere im rechtlichen Bereich zu beseitigen.

Im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) schlägt der Rat eine IKT-Offensive mit dem Ziel vor, Österreich in diesem Bereich von Platz neun auf Platz fünf in Europa zu bringen. Da die IKT-Kompetenzen stark zersplittert seien, fordert der Rat die Einsetzung eines verantwortlichen IKT-Koordinators.

8.) "Förderung innovativer start-ups": Zur Unterstützung innovativer Unternehmensgründungen werden die Verstärkung der Gründerberatung und -förderung, die Unterstützung in der Frühphasenfinanzierung sowie spezifische Programme zur Forcierung von universitären spin-offs vorgeschlagen. Zudem sollte es behördliche und steuerliche Erleichterungen für Firmengründungen, etwa die Erweiterung des Forschungsfreibetrags um einen Absetzbetrag, geben.

9.) "Regionale Schwerpunkte im Rahmen des entstehenden Europäischen Forschungsraumes": Der Rat empfiehlt koordinierte Schwerpunktbildungen in den Bundesländern von Aus- und Weiterbildung bis hin zu Centres of Excellence in bestimmten Fachgebieten. Geeignetes Mittel dafür wären Bund-Länder-Verträge zur Abstimmung der Prioritäten und zur Optimierung der Finanzierung.

10.) "Aktivitäten mit 'Doppeldividende'": Als zielführend erachtet es der Rat, insbesondere in jenen Bereichen Problemlösungskompetenz aufzubauen, wo der ökonomische Nutzen von Forschung und Technologieentwicklung mit einem zusätzlichen gesellschaftlichen Nutzen einhergeht und F&E mit der Erfüllung öffentlicher Aufgaben verbunden werden kann. Als Beispiele nennt der Rat Aktivitäten im Umwelt- und Gesundheitsbereich, bei der Lebensmittelsicherheit, in Verkehrs- oder in Klimafragen. (APA)

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