Uni-Reform: Opposition kritisiert "Forschungs- strategie Austria"

24. Mai 2001, 20:17
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Grüner Wissenschafts- sprecher Grünewald: "Ein starkes Stück"

Wien - Als "starkes Stück" bezeichnete der Grüne Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald die Empfehlung des Rates für Forschung und Technologieentwicklung (RFT), den Universitäten aus den sieben Milliarden Schilling Förderungsmittel aus dem Topf des Finanzministers so lange nichts zukommen zu lassen, bis die Universitätsreform abgeschlossen ist. Der Rat habe die Aufgabe, die Regierung zu beraten - "hier lässt er sich aber vor ihren Karren spannen", sagte Grünewald.

Die Vorgabe in dieser Form bedeute eine "Nötigung". Inhaltlich wäre auf die Uni-Reform gar nicht eingegangen worden. Wenn davon gesprochen werde, die Mittel für die außeruniversitäre Forschung und die angewandte Forschung in der Wirtschaft anzuheben, die Mittel für die Forschung an den Universitäten aber einzufrieren und nur zu valorisieren, liege eine klare Ungleichbehandlung vor. Um die Forschungsquote bis 2005 auf 2,5 Prozent des BIP anzuheben, müsse für alle drei Säulen etwas getan werden.

Auch SP-Wissenschaftssprecher Erwin Niederwieser stößt sich an der Koppelung zusätzlicher Uni-Mittel an Reformen. "Das ist nicht der gesellschaftliche Konsens, den der Rat selbst als wichtig für ein positives Forschungsklima bezeichnet hat", sagte Niederwieser. Eine Steigerung der Forschungsquote auf 2,5 Prozent sei nur dann realisierbar, wenn "zumindest 5.000 Wissenschafter" zusätzlich an Unis, Fachhochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Betrieben tätig würden.

Eine Hebelwirkung für Österreichs Forschung erwartet sich der Mandatar durch eine höhere Beteiligung an EU-Forschungsprogrammen, insbesondere "Eureka". Dieses Programm sei unbürokratisch und für Klein- und Mittelbetriebe (KMU) maßgeschneidert. Neu sei außerdem der Schwerpunkt "Dienstleistungen", was für ein Tourismusland besonders interessant sei. Niederwieser plädierte außerdem für längerfristige Planbarkeit für Projekte und Investitionen.

Der freiheitliche Wirtschafts- und Industriesprecher Thomas Prinzhorn erwartet, dass durch den gesteigerten Forschungsfreibetrag von 25 bzw. 35 Prozent die Forschungsförderung auf bis zu 30 Milliarden Schilling allein in diesem Jahr ansteigen werde. Bestehende und neue Unternehmen müssten auch weiterhin zu mehr Forschungsausgaben animiert werden, gerade wenn es um Forschung und Entwicklung gehe, müsse man den Mitbewerbern immer einen Schritt voraus sein, so Prinzhorn.

Die Forschungsquote sei allerdings nur ein Indikator für den Erfolg der Forschungspolitik. Wichtig seien auch Patentanmeldungen oder Hochtechnologie-Expertbilanzen. Hier gebe es Länder wie Finnland, Schweden oder die USA, die sich Österreich auch weiterhin als Vorbild nehmen müsse. (APA)

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