Buchheim hat nun sein "Museum der Phantasie"

24. Mai 2001, 12:50
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"Domizil für Expressionismus", Traumerfüllung am Starnberger See

Bernried - Lothar Buchheim, 83-jähriger Maler, Sammler und Autor des Welterfolgs "Das Boot", hat für seine weltberühmte Expressionistensammlung mit Werken von Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel, Max Pechstein, Emil Nolde und Otto Mueller nun sein Museum erhalten - mit intimeren Räumen für seine volks- und völkerkundlichen Sammlungen.

Als großen Tag für die Kunst und für Bayern hat Ministerpräsident Edmund Stoiber das Buchheim-Museum in Bernried am Starnberger See gewürdigt. Mit dem "Museum der Phantasie" gehe einer der lang gehegten und zielstrebig angesteuerten Träume Lothar-Günther Buchheims in Erfüllung, sagte Stoiber am Mittwoch bei der Eröffnung des von Olympia-Architekten Günter Behnisch erbauten Museumsbau. Mitten in der paradiesischen Landschaft Oberbayerns sei unter starken Geburtswehen und mit einiger Hebammenkunst ein prachtvolles Geschöpf auf die Welt gekommen, sagte Stoiber.

"In ein Buchheim-Museum gehört auch Buchheim."

Mit dem "Museum der Phantasie" schließt der Freistaat nach den Worten Stoibers auch eine kultur-historische Lücke: "Ab heute hat der Expressionismus, der zwölf unselige Jahre in Deutschland verfemt und angefeindet war, in Bayern ein angemessenes Domizil." In der auf mehr als 200 Millionen Markgeschätzten Buchheim-Sammlung seien Werke fast aller Großen des deutschen Expressionismus zu finden. Abgerundet werde die Sammlung mit grafischen Arbeiten aus Frankreich, darunter Werke von Picasso, Braque und Chagall. An Interesse seitens eines breiten auch internationalen Publikums werde es nicht fehlen. "Das Museum wird sich zu einem Besuchermagneten entwickeln", zeigte sich Stoiber überzeugt.

Für Kunstminister Hans Zehetmair (CSU) ist mit dem Bau und den darin herausragenden Sammlungen expressionistischer Malerei sowie den vom Stifterehepaar zusammengetragenen Kuriositäten und Objekten der Volkskunst aus aller Welt ein Gesamtkunstwerk entstanden. Die herrliche Lage am Seeufer, der in das Wasser hineinragende Steg und der Blick auf See, Landschaft und Berge seien einzigartig oder - wie es Buchheim einmal selbst ausgedrückt habe - "erhaben". Zehetmair sprach die Hoffnung aus, dass auch bald Werke des Künstlers Buchheim im Museum ausgestellt werden: "In ein Buchheim-Museum gehört auch Buchheim."

Dieser musste für seinen seit 30 Jahren verfolgten Lebenstraum zahlreiche Rückschläge einstecken. Auch seine Heimatgemeinde Feldafing hatte sich in einem Bürgerbegehren gegen das Projekt ausgesprochen. Dafür war vor gut drei Jahren die Nachbargemeinde Bernried als Standort für das Museum eingesprungen. (APA/dpa)

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