Enzymtherapie als neue Strategie gegen Harnblasenkrebs

23. Mai 2001, 15:25
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Kurze Ketten von Erbgutgbestandteilen können die Erbsubstanz von Krebszellen zerschneiden

Dresden - Bei Harnblasenkrebs - der fünfthäufigsten Tumorart in der westlichen Welt - wollen deutsche Wissenschafter jetzt eine ganz neue Therapie erproben: "Ribozyme" bzw. DNA-Enzyme. Kurze Ketten von Erbgutgbestandteilen können nämlich die Erbsubstanz von Krebszellen zerschneiden und damit unschädlich machen.

Allein in Deutschland erkranken jährlich rund 15.000 Menschen an Blasenkrebs. Besonders häufig handelt es sich dabei um Männer im Alter von 60 bis 80 Jahren. Die meisten der Patienten leiden an oberflächlichen Harnblasentumoren, die an vielen verschiedenen Stellen der Schleimhaut wachsen.

Die einzige Alternative zur Blasenentfernung ist eine Behandlung der gesamten Blasenschleimhaut: Derzeit werden zu diesem Zweck Chemo- oder Immuntherapeutika in die Harnblase eingespült. Doch diese Therapie ist langwierig, nebenwirkungsreich und kostenintensiv, teilte jetzt die Deutsche Krebshilfe in einer Aussendung mit.

Der neue Weg

Eine Arbeitsgruppe an der Klinik und Poliklinik für Urologie der Universitätsklinik Carl Gustav Carus in Dresden unter der Leitung von Dr. Ulrike Fiedler und Professor Dr. Manfred P. Wirth entwickelt hingegen in Kooperation mit Doz. Dr. Berd Schwenzer vom Institut für Biochemie der Technischen Universität Dresden eine ganz neue Behandlungsmethode gegen Harnblasenkrebs: Die Wissenschafter wollen die Krankheit mit so genannten Ribozymen und DNA-Enzymen bekämpfen.

Ribozyme und DNA-Enzyme sind relativ kleine chemische Verbindungen, die aus denselben Grundbausteinen (Nukleinsäuren) wie die Erbsubstanz bestehen. Diese kleinen Nukleinsäure-Moleküle können lange Nukleinsäure-Ketten, wie die Botenstoffe (RNA) der Erbsubstanz, ganz spezifisch erkennen, an bestimmten Stellen durchtrennen und damit inaktivieren. Sie wirken also wie "Scheren", die das Erbgut der Krebszellen zerschneiden.

Forschungsziel

Das Ziel der Wissenschafter ist es, die Information bestimmter Abschnitte der Erbsubstanz (Gene), die für die Entstehung und das Fortschreiten von Harnblasenkrebs verantwortlich sind, auszuschalten. Die neue Methode im Detail: Die Forscher konstruieren synthetische Ribozyme und DNA-Enzyme. Diese kleinen Moleküle sollen die Botenstoffe des Tumor-Gens erkennen, die als Zwischenprodukt auf dem Protein-Synthese-Weg entstehen.

Werden die Nukleinsäure-Enzyme von den Harnblasenkrebszellen aufgenommen, spalten sie die Botenmoleküle, blockieren die Proteinproduktion und hemmen damit das Tumorwachstum. "Gelingt es uns, hochspezifische Nukleinsäure-Enzyme zu produzieren und diese zielgenau in die Harnblasenkrebszellen einzubringen, könnte uns zukünftig ein neuer lokaler Wirkstoff für die Behandlung des Harnblasenkarzinoms zur Verfügung stehen", so die Projektleiterin Frau Dr. Fiedler. Die deutsche Krebshilfe unterstützt das Projekt mit umgerechnet rund 16 Millionen Schilling. (APA)

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