Kriegsgefahr im Grenzgebiet Thailand-Birma

23. Mai 2001, 15:21
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US-Spezialisten trainieren Sondereinheiten

Chiang Mai - Im Grenzgebiet zwischen Thailand und Birma wächst die Kriegsgefahr. Während sich ethnische Milizen bereits stellvertretende für beide Seiten Gefechte liefern, hält Thailand ein Grenzmanöver mit 20.000 Soldaten ab.

Die thailändische Regierung beschuldigt die birmanische Militärjunta in Rangun, massiv den Drogenhandel und die -produktion zu fördern. Thailand, das bislang eher als Transitland galt, hat inzwischen selbst ein großes Problem mit Heroin, Opium und synthetischen Drogen. Die Generäle in Rangun bestreiten jedoch, dass auf birmanischem Territorium auch nur ein Gramm Rauschgift produziert wird, was jedoch international als unglaubwürdig gilt.

Mehr als 20.000 thailändische Soldaten sind derzeit zu der Übung 'Cobra Gold' im thailändisch-birmanischen Grenzgebiet ausgerückt. Sie werden unterstützt von US-amerikanischen Militärberatern und nicht näher genannten oder bezifferten US- Spezialeinheiten für Drogenbekämpfung.

"Konfrontation wird immer realer"

"Obwohl es bislang zu keinen direkten Kämpfen gekommen ist und der Krieg durch die Pro-Rangun-Miliz der Wa und die Pro-Bangkok- Miliz der Shan stattfindet, wird die Möglichkeit einer direkten Konfrontation immer realer", erklärte ein thailändischer Geheimdienstler gegenüber IPS. Er hält einen vollen militärischen Konflikt innerhalb der nächsten sechs Monate für wahrscheinlich, wenn es Thailand und Birma nicht gelingt, ihre Differenzen zu klären.

In den letzten Wochen kommt es im Grenzgebiet fast täglich zu Gefechten zwischen den rivalisierenden Armeen der Wa und der Shan. In der zweiten Maiwoche ging die thailändische Armee sogar direkt gegen die Wa-Armee vor, die einen strategisch wichtigen Hügel besetzt hatte, der nach Ansicht von Bangkok 400 Meter tief auf thailändischem Gebiet liegt. Thailand setzte dabei mutmaßlich zum ersten Mal überhaupt auch seine Luftwaffe ein, die den Hügel von Hua Lone in der nördlichen Provinz Chiang Rai bombardierte.

Gebiet im Falle eines Angriffes verteidigen

Während Bangkok bestreitet, die Luftwaffe eingesetzt zu haben, protestierte Birma in scharfer Form gegen die Verletzung seines Luftraums und nicht näher genannte Schäden auf eigenem Staatsgebiet. In einer weiteren diplomatischen Note fordert Rangun den Rückzug Thailands aus Doi Lang, einem 32 Quadratkilometer großen Grenzabschnitt, der zwischen beiden Ländern umstritten ist.

"Wenn Birma darauf besteht, dass Doi Lang ihm gehört und versucht, unsere Truppen mit Gewalt abzudrängen, bedeutet dies Krieg", ließ sich dazu der Kommandierende der Dritten Thailändischen Armee, Generalleutnant Wattanachai Chaimunenwong vernehmen. Auch Thailands Oberkommandierender General Surayud Chulanont betonte, man werde das Gebiet im Falle eines Angriffs verteidigen.

Die wachsenden Spannungen haben auch Differenzen zwischen Thailands Ministerpräsident Thaksin Shinawatra und der Armeeführung wieder deutlicher hervortreten lassen. Nur einen Tag vor der Wiedereinnahme der Hua-Lone-Hügel durch Regierungstruppen hatte Thailands Verteidigungsminister Chavalit Yongchaiyudh erklärt, er bevorzuge Verhandlungen und die Armee angewiesen, jede direkte Konfrontation zu vermeiden.

Thailändischen Presse antwortet mit Wutgeheul

Seine Erklärung wurde jedoch nicht nur von der Armee, sondern auch von der thailändischen Presse mit Wutgeheul beantwortet. Man warf ihm vor, als Verteidigungsminister thailändisches Staatsgebiet fremden Invasoren preiszugeben. Ministerpräsident Thaksin strich schließlich einen für Mai geplanten Besuch in Rangun.

"Die thailändische Armee hat ein dramatisches Comeback auf der nationalen Bühne. Das verdankt sie dem Konflikt mit Birma. Nie war sie in den letzten zehn Jahren so populär wie heute", erläuterte ein Analyst IPS.

Auch der birmanischen Militärjunta scheint der Konflikt gelegen zu kommen, kann sie so doch von den Menschenrechtsverletzungen und der schlechten Wirtschaftslage ablenken. In den letzten Wochen hatte der birmanische Kyat stark an Wert verloren. Auf dem Schwarzmarkt sank der Kurs von 400 Kyat für einen US-Dollar auf 700 Kyat.

Anwesenheit von US-Truppen empört

Besonders gegen die mutmaßliche Präsenz von US-Truppen in Thailand empört sich die Militärregierung in Rangun. Die Nervosität hat sich noch verstärkt, seit der US-Oberkommandierende für den Pazifik, Admiral Dennis Blair, thailändischen Reportern erklärte, dass die USA voll hinter allen Anstrengungen Thailands stünden, den Drogenhandel zu bekämpfen. Blair bestritt jedoch, dass sich die Übung 'Cobra Gold' in irgendeiner Weise gegen Birma richte.

In Thailand blühen nun jedoch Spekulationen über die neue langfristige Strategie der USA unter Präsident George W. Bush in Asien. Weithin wird davon ausgegangen, dass die Präsenz von US- Truppen in Thailand weiter zunehmen wird. Dies würde gut zu der von einem engen Berater Bushs lancierten neuen Sicherheitsarchitektur in Asien passen. Darin wird eine Art strategische Diversifizierung vorgeschlagen, in deren Rahmen die USA ihre militärische Präsenz von Ost- und Nordostasien weiter nach Süden verschieben.

Thailand als alter Alliierter der USA würde in diesem Zusammenhang eine ideale Basis abgeben. Von dort aus, so die Spekulationen, ließe sich gut gegen Birma vorgehen, womit wiederum China getroffen würde, als dessen Verbündeter die Militärjunta in Rangun gilt. Um Birma, so die Spekulationen weiter, würde Peking jedoch keinen Krieg riskieren, was wiederum der US-Seite Vorteile einräumt. (Boonthan Sakanond, IPS)

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