EZB lässt Zinsen unverändert

23. Mai 2001, 16:30
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Experten erwarten Zinsschritt "spätestens im Juli"

Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Mittwoch die Leitzinsen in der Euro-Zone erwartungsgemäß unverändert gelassen. Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Mindestbietungssatz beim Zinstender betrage weiter 4,50 Prozent, teilte die EZB nach ihrer turnusmäßigen Ratssitzung in Frankfurt mit. Wegen anhaltender Inflationsgefahren in der Euro-Zone hatten Analysten nach der überraschenden Zinssenkung vom 10. Mai fast ausnahmslos mit unveränderten Leitzinsen gerechnet. Die Finanzmärkte reagierten heute kaum auf die Entscheidung.

Auch den Zinskorridor für den Geldmarkt ließ die Zentralbank unverändert. Die Sätze betragen weiterhin 3,50 Prozent für Übernachteinlagen der Banken bei der EZB (Einlagenfazilität) und 5,50 Prozent für Übernachtkredite (Spitzenrefinanzierungsfazilität).

Keinen Zyklus von Zinssenkungen

Zuletzt hatte die EZB am 10. Mai alle drei Leitzinsen um 25 Basispunkte gesenkt und damit die Finanzmärkte überrascht. EZB-Ratsmitglieder hatten nach der unerwarteten Senkung betont, die europäische Notenbank habe mit der Entscheidung keinen Zyklus von Zinssenkungen eingeleitet.

Im Markt bleiben Erwartungen einer weiteren Zinssenkung nach wie vor intakt, obwohl diese durch aktuelle Rahmendaten gebremst würden. "Im Sommer" werde der EZB-Rat die Zinsen nochmals senken, so die mehrheitliche Meinung. Die Ökonomen tippen dabei auf Juli bzw. "vor der Sommerpause", wenn der aktuelle Preisbuckel bei den Verbraucherpreisen überschritten ist. Denkbar sei ein Spielraum von bis zu 50 Basispunkten, hieß es.

Weitere Zinsschritte

Die EZB werde ihren Leitzins bis Jahresende noch um zwei weitere Zinsschritte im Ausmaß von 25 Basispunkten auf dann 4,00 Prozent senken, meint eine Expertin von Morgan Stanley Dean Witter London. Die M3-Revision werde ein starkes Zinssenkungsargument für die EZB bringen.

"Im aktuellen Umfeld hätte die EZB eine weitere Zinssenkung nicht plausibel erklären können", sagte der Chefvolkswirt von der DG Bank. Die EZB-Expertin der Dresdner Bank sieht "gute Gründe, dass die Inflation wieder deutlich nach unten geht". (APA/vwd/sda/Reuters/dpa)

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