"Forschungsstrategie Austria"

23. Mai 2001, 12:44
posten

Grundvoraussetzung: Erhöhung der gesamten Forschungsausgaben von derzeit 54 Milliarden auf 86 Milliarden Schilling

Wien - Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) hat am Mittwoch beim zweiten Reformdialog der Bundesregierung zum Thema Forschung in der Wiener Hofburg seine mit Spannung erwartete "Forschungsstrategie Austria" präsentiert. Um das von der Regierung angepeilte Ziel zu erreichen, die Forschungsquote bis 2005 von derzeit 1,83 auf 2,5 Prozent anzuheben, müssen die gesamten österreichischen Forschungsausgaben von derzeit 54 Milliarden Schilling auf 86 Milliarden steigen.

Nach der Empfehlung des Rates sollen bis 2005 die Mittel für Forschung und Entwicklung (F&E) im außeruniversitären Bereich auf 20 Milliarden Schilling vedreifacht, jene der Wirtschaft auf 50 Milliarden fast verdoppelt werden. Für die universitäre Forschung empfiehlt der Rat nur eine Valorisierung der Mittel von derzeit 13 auf 15 Milliarden Schilling.

Ohne zusätzliche Mittel Ziel nicht errreichbar

In einer in der Forschungsstrategie enthaltenen Modellrechnung fordert der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT), dass zusätzlich zu den von der Regierung bis zum Ende der Legislaturperiode bereitgestellten Forschungssondermitteln in Höhe von 7 Mrd. S bereits ab 2003 zusätzliche Mittel zur Verfügung stehen müssen. "Ansonsten ist das Erreichen des forschungspolitischen Ziels einer F&E-Quote von 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2005 unmöglich", wie es in der Strategie heißt.

In der Modellrechnung beziffert der Rat die zur Erreichung des 2,5-Prozent-Ziels notwendigen gesamten F&E-Ausgaben im Jahr 2005 mit 86 Mrd. S. 2000 lagen sie bei 50 Mrd. S. Der Mehrbedarf beträgt also 36 Mrd. S, wobei bei konstanter Verteilung zwischen öffentlichen und Unternehmensmitteln der Bund im Jahr 2005 13 Mrd. S mehr ausgeben müsste. Kumuliert über die Jahre bedeutet das einen Mehrbedarf des Bundes von 35 Mrd. S (minus den bereits zur Verfügung gestellten 7 Mrd. S Forschungs-Sondermittel).

Im Jahr 2000 betrugen laut RFT die Mittel für die universitäre Forschung 13 Mrd. S, jene für den außeruniversitären Sektor 7 Mrd. S und die F&E-Aufwendungen der Wirtschaft 29 Mrd. S. "Diese Struktur muss grundlegend geändert werden, eine Verschiebung hin zu einem höheren Forschungsanteil der Industrie ist unumgänglich", heißt es in der Strategie.

Aufteilung

Der Rat empfiehlt daher folgende Aufteilung nach Sektoren: Für die Unis wird eine valorisierte Fortschreibung der bisherigen Ausgaben vorgeschlagen, wobei durch starke Effizienzsteigerung ein besserer Mitteleinsatz erreicht werden soll. Als Zielgröße für 2005 nennt der Rat 15 Mrd. S, bei gleichzeitiger massiver Erhöhung der Drittmittelfinanzierung auf 17 Mrd. S. Das würde für die Unis ein Zielverhältnis von 1:1 bedeuten.

Da der außeruniversitäre Sektor nach Meinung des Rates "den Boden für eine besonders dynamische Entwicklung" bietet, empfiehlt der Rat eine Verdreifachung der Mittel gegenüber dem Ist-Stand auf 20 Mrd. S (Zielverhältnis 1:3). Dabei sollen die Mittel für Kompetenzzentren und industrielle Cluster von derzeit 0,3 auf 2,0 Mrd. S steigen, jene für staatliche und gemeinnützige Forschungseinrichtungen wie die Akademie der Wissenschaften von 5,1 auf 9,0 Mrd. S und jene für Forschungszentren wie Seibersdorf, Fachhochschulen und Technologietransferinstitute von 2,4 auf 9,0 Mrd. S steigen.

Für den Unternehmenssektor peilt der Rat ein Zielverhältnis von 1:2 an. Das bedeutet, dass die F&E-Aufwendungen der Wirtschaft von derzeit 29 Mrd. S auf rund 50 Mrd. S steigen sollten.

Der Rat hat seine Forschungsstrategie "2,5 Prozent + plus: Wohlstand durch Forschung und Innovation" übertitelt. Damit wolle man ausdrücken, dass eine Forschungsquote von 2,5 Prozent im Jahr 2005 eine Mindestgrenze darstelle, mit der der Rückstand auf die international führenden Länder reduziert, aber nicht zur Gänze aufgeholt werden könne, betonte RFT-Vorsitzender Knut Consemüller. "2,5 Prozent sind ein zentraler Meilenstein, nicht jedoch das Endziel".

Ziele

Als Ziele der Strategie nannte Consemüller die Erhöhung der Investitionsleistung, Investitionen in hochwertige Segmente sowie die Positionierung Österreichs im oberen Drittel der OECD bei Forschungsleistung, Innovationsperformance, Ausbildung und Telekommunikationsnutzung. Einen besonderen Schwerpunkt sollte man laut Consemüller auch auf "Manpower" legen und deshalb Maßnahmen zur Sicherstellung hochqualifizierter Humanressourcen setzen.

Zur Erreichung der Ziele hat der Rat in der Forschungsstrategie zehn "Strategieelemente" formuliert. Darin wird u.a. die Sicherstellung der langfristigen Finanzierung, die Konzentration auf Aktivitäten mit großer Hebelwirkung von öffentlichen auf private Mittel, die Stärkung von Zukunftsfeldern und die Verstärkung des öffentlichen Bewusstseins für die Bedeutung der Forschung empfohlen. Weiters sollten Anreize zur Hebung der Forschungsbeteiligung vor allem von Klein- und Mittelbetrieben, Offensivprogramme für "Akzeleratoren" wie Humanressourcen und Informationstechnologien und Förderungen für innovative start-ups geben. Um eine "Doppeldividende" bei den Aktivitäten zu erreichen, sollte vor allem in jenen Bereichen Problemlösungskompetenz aufgebaut werden, wo der ökonomische Nutzen von F&E mit einem zusätzlichen gesellschaftlichen Nutzen einhergehen, betonte Consemüller.

Den Kultur-, Geistes- und Sozialwissenschaften spricht der Rat eine "bedeutende Rolle in unserer Gesellschaft" zu. In der Strategie empfiehlt der RFT, die aus öffentlichen Budgets für diese Bereiche zur Verfügung stehenden Budgets "proportional zu den Ausgaben für Universitäten im Allgemeinen zu erhöhen". (APA)

Share if you care.