Verbund sieht sich bei Kelag ausgebootet

23. Mai 2001, 11:57
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Aus für Österreich-Lösung

Wien - Empört reagiert der Verbund auf den Zuschlag des rund 30-prozentigen Anteils an der Kärntner Kelag an den deutschen Energieriesen RWE um 4,183 Mrd. S: Der Verbund sei "offensichtlich und bewusst ausgebootet" worden. Die von zahlreichen Politikern aufgestellte Forderung zur Schaffung eines gesamtösterreichischen Wasserkraftkonzerns sei mit der gestrigen Entscheidung der Kärntner Landesregierung für die RWE und gegen den Verbund als einen der größten Wasserkraftproduzenten hinfällig geworden. Der Traum von einem österreichischen Wasserkraftkonzern sei ausgeträumt, hieß es am Mittwoch aus dem Verbund.

Bereits Anfang April sei ein verbindliches Kaufangebot für den Erwerb von 49 Prozent an der Kelag Mehrheitseigentümerin Kärntner Energieholding (KEH) zu einem Preis von 4,5 Mrd. S (327 Mill. Euro) vorgelegt worden. Zusammen mit den bereits im Verbund-Besitz befindlichen Anteil an der Kelag in Höhe von 35 Prozent hätte sich für den Verbund damit durchgerechnet eine Mehrheitsbeteiligung ergeben, so der Verbund am Mittwoch in einer Pressemitteilung.

In Gesprächen zwischen Verbund und der KEH-Geschäftsführung sowie deren Beratern sei am 5. und 6. Mai dann eine Einigung darüber erzielt worden, dass das Anstreben von 51 Prozent an der KEH die "deutlich klarere" Lösung wäre, denn der Erwerb der 49 Prozent hätte ein "überaus komplexes und schwer durchschaubares Vertragswerk" notwendig gemacht hätte.

Standort- und Beschäftigungsgarantie

Die von der Kärntner Landespolitik geforderte Garantie für den Kelag-Standort sowie eine Beschäftigungsgarantie seien vom Verbund ebenfalls abgegeben worden. Zudem wären vom Verbund weitere Arbeitsplätze geschaffen worden.

Dass nun entgegen diesen Besprechungsergebnissen mit der Führungsspitze der KEH seitens der Kärntner Landesregierung behauptet werde, das Verbund-Offert zum Erwerb von 51 Prozent an der KEH sei nicht ausschreibungskonform und daher nicht relevant, kann sich der Verbund nur damit erklären, dass das Unternehmen bewusst ausgebootet worden sei. Der Verbund hat erst kürzlich langfristige Stromlieferverträge mit der Kelag abgeschlossen und hat zudem einen Betriebsführungsvertrag für die Wasserkraftwerke mit dem Kärntner Energieversorger.

Weitere Strategie

Über seine weitere Strategie hält sich Österreichs größter Stromproduzent vorerst noch bedeckt. Über die weitere Vorgangsweise bei der Teilprivatisierung der Energie Oberösterreich AG (EAG) sei noch nicht entschieden, hieß es heute aus dem Verbund. Geld dürfte jedenfalls genug vorhanden sein. Wie die "Presse" in ihrer Ausgabe von Mittwoch berichtet, sei ein üppiger Geldsegen aus Bayern eingetroffen. Für das EVN-Aktienpaket des Verbundes seien rund 2,5 Mrd. S als Vorauszahlung von München nach Wien geflossen.

Eine weitere Milliarde werde folgen, wenn 2002 auch das Eigentum an den Aktien an die als Käufer auftretende Münchener Investmentbank übergehe. Der Verbund ist bis Ende 2002 über einen Syndikatsvertrag an die steirische EStAG sowie die EAG gebunden, gemeinsam besitzen sie rund 27 Prozent der EVN-Anteile. Laut "Presse" dürfte auch die EStAG in den kommende Wochen ihre EVN-Aktien an dieselbe deutsche Investmentbank verkaufen, hinter der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der deutsche Energiekonzern E.ON stehe. (APA)

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