"Forschungsstrategie Austria" im Detail

23. Mai 2001, 17:10
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Kanzler Schüssel: "Ruck durch die Wissenschaftslandschaft" - Riess-Passer sieht sich "auf dem richtigen Weg"

Wien - Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) hat am Mittwoch beim zweiten Reformdialog der Bundesregierung zum Thema Forschung in der Wiener Hofburg seine mit Spannung erwartete "Forschungsstrategie Austria" präsentiert. Um das von der Regierung angepeilte Ziel zu erreichen, die Forschungsquote bis 2005 von derzeit 1,83 auf 2,5 Prozent anzuheben, müssen die gesamten österreichischen Forschungsausgaben von derzeit 54 Mrd. S auf 86 Mrd. S steigen. Nach der Empfehlung des Rates sollen bis 2005 die Mittel für Forschung und Entwicklung (F&E) im außeruniversitären Bereich auf 20 Mrd. S vedreifacht, jene der Wirtschaft auf 50 Mrd. S fast verdoppelt werden. Für die universitäre Forschung empfiehlt der Rat nur eine Valorisierung der Mittel von derzeit 13 auf 15 Mrd. S.

Ruck durch die Forschungslandschaft

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) hob zu Beginn des Reformdialogs, an dem die Spitzenrepräsentanten der heimischen Bildungs- und Forschungsszene, Vertreter der Parlamentsparteien und der Sozialpartner teilnahmen, die "positive Dynamik" seit dem ersten Forschungs-Reformdialog im Jänner hervor. "Es ist ein Ruck durch die Forschungslandschaft gegangen, weil wir ehrgeizige Ziele und konkrete Angebote formuliert haben", sagte Schüssel. In Österreich müsse ein Klima geschaffen werden, dass Forschung gesamtgesellschaftlich zu einer der wichtigsten Prioritäten gemacht werde.

Uni-Reform als "zentraler Bereich"

Eine Forschungsquote von 2,5 Prozent sei ein "beachtliches Ziel, das nur in einer kontinuierlichen Anstrengung erreichbar ist". Im internationalen Vergleich sei man in das Mittelfeld aufgerückt, "doch damit können wir uns nicht zufrieden geben", meinte Schüssel, der dem Rat den Auftrag erteilte, in zwei Jahren eine Zwischenbilanz der bis dahin gesetzten Maßnahmen zu ziehen.

Ebenso wie Schüssel hob Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer (F) die Bedeutung der geplanten Reform der Universitäten sowie des Hochschullehrer-Dienstrechts hervor. "Wenn wir mehr Geld einsetzen, muss das auch mit Reformanstrengungen verbunden sein", sagte Schüssel. Und Riess-Passer bezeichnete die Uni-Reform als "zentralen Bereich".

Riess-Passer: "Sind auf dem richtigen Weg"

Für Riess-Passer zeigt die kürzlich von Statistik Austria präsentierte Schätzung der F&E-Ausgaben des laufenden Jahres, die ein Plus von 6,4 Prozent der gesamten österreichischen F&E-Ausgaben ausweist, dass man auf dem richtigen Weg sei. Die "Hebelwirkung" bei den eingesetzten Mitteln sei kein Mythos, sondern eine wichtige Zielsetzung. Die öffentliche Hand müsse dabei als "starker Partner der Wirtschaft" auftreten. Gleichzeitig müsse "aufs Tempo gedrückt" werden. "Wir haben gute Grundlagen, müssen aber schneller in der Umsetzung werden", sagte die Vizekanzlerin.

Für Hendrik Tent von der Generaldirektion "Forschung" der Europäischen Kommission ist es Voraussetzung für den angestrebten Europäischen Forschungsraum, dass die nationalen Regierungen eine Forschungsstrategie entwickeln. Dabei sei die Setzung von Schwerpunkten wichtig, "auch wenn das oft weh tut", so Tent.

Zwischenbericht in zwei Jahren

Das Ziel, bis 2005 eine Forschungsquote von 2,5 Prozent am Bruttoinlandsprodukt zu erreichen, bezeichnete Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) in einer Pressekonferenz im Anschluss an den Reformdialog als "sehr ambitiös, aber es ist gemeinsam erreichbar". In zwei Jahren soll es einen Zwischenbericht geben, in dem geklärt wird, "wo wir stehen und was gegriffen hat". Man müsse kontrollieren, "was mit dem Geld geschieht und ob es das Wert ist". Eine konkrete Zusage, dass - wie vom Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) gefordert - ab 2003 über die bereits vorhandenen Forschungs-Sondermittel mehr Geld für Forschung zur Verfügung steht, gab es von Schüssel nicht.

RFT-Chef Knut Consemüller hat bei der Präsentation der Forschungstrategie auch die Beseitigung der rechtlichen und administrativen Hindernisse für die Mobilität von Forschern als eine Voraussetzung zur Zielerreichung genannt. Konkret hat Consemüller gefordert, dass "Forscher generell aus der Ausländerquote herausgenommen werden". Schüssel erklärte im diesem Zusammenhang, dass man Interesse daran habe, "die Besten bei uns zu halten, jeder qualifizierte Forscher darf und kann nicht an Österreich vorbeigehen". Es sei dies aber eine Sache, die bei weitem nicht ausreiche, man müsse auch die eigenen Humanressourcen ausbauen. Schüssel wiederholte hier sein Ziel, die Akademikerquote bis 2010 auf 20 Prozent anzuheben. Dies sei ein "ambitiöses Ziel, das aber unbedingt notwendig ist, um mitzuhalten". Auch Consemüller hob die Bedeutung der "Manpower" hervor, die gleichwertig wie die Finanzen sei. "Das sind kommunizierende Gefäße, wir brauchen beides."

Nach Angaben Riess-Passers stand die geplante Modernisierung und Flexibilisierung der Universitäten bei den Experten, die am Reformdialog teilgenommen haben, "völlig außer Streit". Und für Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) werden ein flexibles Dienstrecht und autonome Universitäten benötigt, "damit wir zur europäischen Spitze aufsteigen". Die Ankündigung Consemüllers, dass die Universitäten zusätzliches Geld aus den noch verbleibenden Forschungs-Sondermitteln der Regierung erst bekommen, wenn die Universitäts-Reform beschlossen ist, bekräftigte Gehrer. Laufende Projekte würden weitergefördert, es müsse aber eine Weiterentwicklung geben. "Wenn wir damit starten, wird es weitere Mittel geben", so Gehrer. (APA)

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