Zellulosefabriken verschlingen den indonesischen Tropenwald

23. Mai 2001, 10:34
posten

Die Regierung sieht dem illegalen Abholzen tatenlos zu

Jakarta - Weil Indonesiens Regierung nicht gegen das illegale Abholzen der Tropenwälder vorgeht, wenden sich Umweltschützer jetzt an die Geberländer und -institutionen. Diese sollen ihre Milliardenkredite davon abhängig machen, dass der von der Holzwirtschaft betriebene Raubbau im Rahmen eines Moratoriums ein Ende hat.

"Es ist erschreckend, in welchem Tempo die Tropenwälder verschwinden", erklärt Longgena Ginting vom indonesischen Umweltforum WALHI. "Deshalb apellieren wir an die Geber, neue Kredite für Indonesien an die Bedingung zu knüpfen, dass der Holzabbau eingestellt wird."

Forderung nicht erfüllt

Schon seit Jahren fordern die Geber von der indonesischen Regierung, energisch gegen den illegalen Holzabbau vorzugehen. Präsident Abdurrahman Wahid hatte auf einer Konferenz der der Konsultativgruppe für Indonesien (CGI) angehörenden Geber in Jakarta im Februar 2000 entsprechende Zusagen gemacht. Zur CGI gehören Weltbank, Internationaler Währungsfonds '(IWF), die Asiatische Entwicklungsbank sowie die Geberländer Japan, USA, Australien und die Niederlande.

Geschehen ist seitdem nichts, kritisieren Umweltaktivisten. Und selbst Regierungsbeamte räumen ein, dass von der Realisierung dieses Versprechens keine Rede sein kann.

Reformpaket

Zu den geplanten Reformen, die Indonesien angesichts der für 2001 zu erwartenden Kredite in Höhe von 4,8 Milliarden Dollar zugesagt hatte, gehörten ein Moratorium für den Holzabbau, die Beendigung des illegalen Holzfällens, die Umstrukturierung der Holz verarbeitenden Industrie, die Dezentralisierung der Forstwirtschaft und ein Konzept für die künftige Waldwirtschaft.

Später wurden diese Reformpläne um die Prävention von Waldbränden, um eine Neuordnung der Pachtrechte, um eine Dokumentation des Waldbestandes und ein verbessertes Waldmanagement ergänzt.

Im Juni 2000 schuf die Regierung mit der Etablierung eines interministeriellen Ausschusses für die Forstwirtschaft (IDCF) sogar ein Instrument, das die Umsetzung dieser Pläne gewährleisten sollte.

Bilanz

"Doch ein Jahr später sind keine Fortschritte in Sicht", klagt Ginting. Das liege vor allem daran, dass die indonesische Regierung nicht begriffen habe, in welcher Krise die Forstwirtschaft des Landes steckt.

Forstwirtschaftsminister Marzuki Usman gesteht die Versäumnisse seiner Regierung ein. "Wir sollten einfach keine Zusagen machen, die so schwer zu erfüllen sind", meint er. "Wir müssen mit unseren Kreditgebern verhandeln, ohne uns auf Bedingungen einzulassen."

In den beiden letzten Jahren sind Indonesiens Tropenwälder, die auch die 'Lungen der Welt' genannt werden, um 2,4 Millionen Hektar kleiner geworden. Die Verluste waren größer als in den Jahren zuvor. Mindestens 72 Prozent des indonesischen Tropenwaldes sind bereits verschwunden. Der Hälfte des noch verbliebenen Restes droht die Vernichtung durch illegales Abholzen.

Die Übeltäter

Übereinstimmend haben Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Regierungsstellen errechnet, dass sich die Verluste, die der Holzwirtschaft Indonesiens durch den illegalen Holzabbau entstehen, auf jährlich 2,5 Milliarden Dollar belaufen.

Nach Ansicht der Umweltaktivisten sind es vor allem die Zellulosefabriken mit ihren großen Überkapazitäten für die Vernichtung der Tropenwälder verantwortlich.

Die Gesamtkapazitäten der 128 Holz verarbeitenden Fabriken Indonesiens liegt bei 100 Millionen Kubikmeter. Davon stammen 78,1 Millionen Kubikmeter Holz aus einheimischen Wäldern, 21,9 Millionen Kubikmeter Holz werden jährlich importiert.

"Da aber Einschlaglizenzen (HPH), Räumarbeiten in den Wäldern und die Nutzung von Gemeindewälder zusammen nur 21,4 Millionen Kubikmeter Holz erbringen, müssen 56,6 Millionen Kubikmeter Holz, das sind 70 Prozent des benötigten Rohstoffs, illegal geschlagen werden", rechnet Ginting vor.

Stopp

Die Aktivisten, die den Holzeinschlag durch ein Moratorium stoppen wollen, fordern, dass keine weiteren Rodungslizenzen vergeben werden und der Holzabbau in den Urwäldern in ganz Indonesien eingestellt wird. Zudem sollen Forstunternehmen, die finanzielle Schwierigkeiten haben oder Umweltschäden verursachen, ihren Betrieb einstellen. Auch dort, wo der Waldbestand besonders gefährdet ist, soll kein Holz mehr gefällt werden.

WALHI-Sprecher Ginting beschreibt die angestrebten Ziele eines Moratoriums: "Es soll den Wäldern langfristig eine Erholungspause verschaffen, den Bestand der Artenvielfalt erhalten sowie den vom Wald lebenden Gemeinden helfen. Zudem muss dafür gesorgt werden, dass die Holz verarbeitende Industrie kontrolliert wird und die Vorschriften befolgt".

Indonesiens Kreditgebern kommt dabei eine entscheidende Rolle zu, meint Ginting. Sie könnten die Regierung moralisch unter Druck setzen und ihre finanzielle Hilfe davon abhängig machen, dass die gemachten Zusagen eingehalten werden und das illegale Abholzen unterbunden wird. Zum anderen könnten sie privaten Forstunternehmen, die die Tropenwälder abholzen, ihre Unterstützung versagen.

Zurückverfolgbar in die Erste Welt

Internationale Umweltschutzgruppen werfen Indonesiens Geberländern in Europa, Japan und den USA vor, sie hätten in den 90er Jahren durch ihre Exportgarantien, die weitgehend an keine sozialen oder ökologischen Bedingungen geknüpft sind, die indonesischen Papier- und Zellulosefarbiken unterstützt.

Diese hätten in den Jahren 1994 bis 1999 rund 20 Millionen Kubikmeter Holz und damit 40 Prozent ihres gesamten Bedarfs aus illegalen Holzeinschlägen bezogen. Dieser Vorwurf richtet sich besonders gegen Großunternehmen wie 'Asia Pulp and Paper', die APRIL-Gruppe und 'Riau Andalan Pulp and Paper'.

Bericht

In einem Bericht, den die indonesische Umweltgruppe 'Bioforum' und die New Yorker NGO 'Environmental Defence' im Februar diesen Jahres veröffentlichten, wird auf das von Asia Pulp and Paper betriebene Zellulosewerk Indah Kiat verwiesen. Kanadische, finnische, schwedische und spanische Exportgarantien hatten ihm zu Investitionen im Wert von 500 Millionen Dollar verholfen.

Im gleichen Bericht wird darauf verwiesen, dass die Expansion der Papier- und Zellulosefabriken, die in den 90er Jahren mit internationaler Finanzhilfe betrieben wurde, mit der Zerstörung der Rechte und der Lebensgrundlage der einheimischen Bevölkerung einherging - häufig genug mit Waffengewalt.

Positive Gegenbeispiele

Dass es auch anders geht, zeigen etliche Nachbarländer Indonesiens, die, so WALHI, Moratorien gegen die Vernichtung ihrer Wälder durchgesetzt haben. An ihnen könne Indonesien sich ein Beispiel nehmen.

So ließ Thailand 1998 den gesamten Holzabbau einstellen. Zuvor hatten sich Landgemeinden jahrelang mit Blockaden gegen das Abholzen ihrer Wälder gewehrt. Zudem hatte der Raubbau zu schweren Überschwemmungen und Erdrutschen geführt.

In China ist seit 1998 der Holzabbau in den noch verbliebenen Urwäldern verboten. Auch hier hatte es zuvor in der Umgebung des Yangtse und des Gelben Flusses schwere Überschwemmungen gegeben.

Seit 1999 werden in Papua-Neuguinea vorläufig keine neuen Holzabbau-Lizenzen mehr vergeben. Mit diesem Moratorium hatte die Regierung auf soziale und ökologische Probleme reagiert.

Druck machen

"Wir müssen die indonesische Regierung unter Druck setzen, damit auch sie einsieht, dass ein Moratorium möglich und sinnvoll ist", erklärt Longgena Ginting. "Sie wird wohl ernsthaft darüber nachdenken, wenn die indonesische Bevölkerung, die internationale Gemeinschaft und die Geber ein solches Moratorium verlangen."(IPS)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.