Steiermark: Asyl nur für Opfer staatlicher Gewalt

22. Mai 2001, 20:39
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Tagung zur Genfer Konvention

Graz< -="" "die="" leute="" stehen="" bei="" uns="" erst="" einmal="" in="" völlig="" desperatem="" zustand="" vor="" der="" türe",="" erzählt="" edith="" glanzer,="" geschäftsführerin="" des="" flüchtlingsvereins="" zebra,="" der="" in="" graz="" seit="" über="" zehn="" jahren="" erste="" anlaufstelle="" für="" asylwerberinnen="" ist.="" so="" war="" es="" auch="" bei="" frau="" a.,="" einer="" 28-jährigen="" nigerianerin,="" die="" im="" februar="" 2000="" nach="" österreich="">

Frau A.s ältere Schwester war von einer Sekte zwangsbeschnitten worden und verblutete den Folgen, der Vater war von derselben Sekte ermordet worden. Später wurde auch Frau A. aufgefordert, sich beschneiden zu lassen, weigerte sich und wurde vergewaltigt. Sie konnte sich so lange verstecken, bis ihre Flucht ins Ausland organisiert war. Sie erwartete ein Kind und führte die Schwangerschaft auf die Vergewaltigung in Nigeria zurück.

Frau A. war eine von 488 Zebra-Klientinnen, die im Rahmen eines Projektes zur psychosozialen Betreuung von Asylwerberinnen mit Gewalterfahrungen in den vergangenen Monaten intensiv betreut wurde. "Der Schutzbedarf dieser Menschen ist zweifellos gegeben", sagt Edith Glanzer, "doch um als Flüchtling zu gelten, muss es sich um staatliche Gewalt handeln." Eine Regelung, die - wie bei Frau A. - zu Härtefällen führen kann.

Frau A. machte dank Therapie Fortschritte: Nach einigen Sitzungen konnte sie ihre lange Flucht in klarer zeitlicher Abfolge darstellen, dadurch verlief auch ihre Einvernahme beim Bundesasylamt positiv. Das Projekt, in dem Frau A. betreut wurde, soll, wenn es mit der Finanzierung klappt, fortgesetzt werden.

Die Genfer Flüchtlingskonvention, die heuer 50 Jahre alt wird, ist am Mittwoch Thema der Zebra-Tagung in Graz über die Zukunft der Asylpolitik in der EU. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 23. 5. 2001)

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