Afghanische Hindus müssen gelbes Stoffabzeichen tragen

22. Mai 2001, 19:10
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Stigmatisierung wird als Schutzmaßnahme getarnt

Kabul - Hindus müssen sich künftig im streng islamisch regierten Afghanistan durch ein gelbes Stoffzeichen kenntlich machen. Es gehe bei dieser Anordnung darum, Moslems von Nicht-Moslems zu unterscheiden, sagte ein Sprecher des afghanischen Informationsministeriums am Dienstag. So solle verhindert werden, dass Hindus fälschlicherweise von der allmächtigen Religionspolizei wegen Vergehen gegen islamische Vorschriften belangt werden.

Nach Ministeriumsangaben müssen die Hindus das fingergroße gelbe Stoffabzeichen stets in der Tasche bei sich führen und auf Verlangen vorzeigen. Die Religionspolizei kontrolliert zum Beispiel, ob Moslems die vorgeschriebenen Gebetszeiten einhalten und lange Bärte tragen. Für Hindus gelten diese Vorschriften nicht. Weniger als ein Prozent der Einwohner Afghanistans sind Hindus.

Seit 1996 regiert in Kabul die international geächtete radikal-islamische Taliban-Miliz. Mit ihrer Auslegung des Islam, die in der muslimischen Welt weithin abgelehnt wird, wollen sie Afghanistan zu einem Gottesstaat machen. Die Taliban beherrschen mittlerweile 90 Prozent des Landes. (APA)

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