Kräftige Abschwächung der Industriekonjunktur

22. Mai 2001, 18:49
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Produktionswachstum heuer nur 3,5 Prozent

Wien - Die österreichische Industrie bekommt die internationale Konjunkturabschwächung deutlich zu spüren und erwartet heuer eine empfindliche Abschwächung des Produktionswachstums. Die Produktion werde heuer nur um 3,5 Prozent zunehmen, prognostizierte der Syndikus der Sektion Industrie in der Wirtschaftskammer (WKÖ), Joachim Lamel, am Dienstag in einem Pressegespräch. Im Vorjahr hatte das Produktionswachstum noch den Rekordwert von 8,2 Prozent erreicht.

Der Rückgang des Produktionszuwachses um mehr als die Hälfte werde auch zu einem Verlust von Arbeitsplätzen führen, fürchtet Lamel. Er gehe davon aus, dass rund ein halbes Prozent der insgesamt 410.000 Industriearbeitsplätze verloren gehen könnte.

Die "große Unbekannte" bei der Einschätzung der weiteren weltwirtschaftlichen Entwicklung für heuer bliebe die US-Konjunktur. Der Internationale Währungsfonds (IWF) gehe sogar von einem möglichen BIP-Wachstum von nur 1,5 Prozent aus, betonte Werner Clement, der Chef des Industriewissenschaftlichen Instituts. Dies wäre das schwächste Wachstum der vergangenen zehn Jahre.

Die Entwicklung in den USA wirke sich stimmungsmäßig und real auf die Entwicklung in Europa aus. In der OECD sei heuer mit einem Rückgang des Wirtschaftswachstums von 3,6 auf 1,3 Prozent, in der EU von 3,3 auf 2,3 Prozent zu rechnen.

Entscheidend für das Exportland Österreich sei das Welthandelswachstum, das sich heuer von real 13 Prozent auf 4,5 Prozent abschwächen wird. Der österreichische Export könnte daher nach elf Prozent im Vorjahr heuer real nur mehr um sechs Prozent wachsen. (APA/jost, Der Standard, Printausgabe, 23.05.2001)

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