Die es schwappen lassen

22. Mai 2001, 17:41
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Macht macht sexy, der Pokal hat auf Männer eine unwiderstehliche Anziehungskraft

Entworfen hat seine schlanken und doch vollen Formen der Berner Goldschmied Hans Stadelmann, 1977 wurde er bestellt (183.000 S/13.300 €), denn den alten Pokal trugen die Bayern heim, weil sie ihn dreimal en suite gewonnen hatten und daher behalten durften. Am Mittwoch treten die Bayern im Meazza- Stadion von Mailand wieder, diesmal gegen Valencia (20.45, ORF 1), dem Pokal der Landesmeister nahe, auch wenn der Bewerb jetzt neudeutsch Champions League heißt. Der Pokal ist übrigens - da widerspricht er der aus der Antike herüberschwappenden Tradition - zum Trinken ungeeignet, weil der Champagner oder andere Aphrodisiaka seitlich an den Mundwinkeln vorbeischwappen.

Effes WM

Nichts würden die Männer von Bayern München lieber tun, als sich mit dem Saft aus dem Pokal anzuschütten; seit sie 1999 in den letzten zwei Minuten des UCL-Finales von Manchester United 2:1 geschlagen wurden, gilt das verschärft. Bayerns Spielmacher Stefan Effenberg will mit diesem Spiel gar alle Sünden in seiner persönlichen Vita (verweigerte sich beharrlich dem Team) sühnen und erklärte den Bewerb "zu meiner Weltmeisterschaft". In Bayern Münchens Fankurve (von 74.000 Karten gingen je 23.500 an die beiden Klubs) spielt daher die "Spider Murphy Gang" ("Skandal um Rosie").

Das Finale würde im Falle eines Gleichstandes für zweimal 15 Minuten (Golden- Goal-Regel) verlängert und anschließend durch ein Elfmeterschießen entschieden werden. Jeder Bayer würde im Siegfall 2,81 Millionen Schilling (204.517 €) einstreifen, Trainer Hitzfeld ordnete daher an: "Man darf kein bisschen zweifeln. Man muss immer mit vollem Optimismus an große Aufgaben herangehen."

Zentrum Mendieta

Auf der anderen Bank sitzt mit Hector Cuper ein Trainer, der mit Real Mallorca 1999 im letzten Cupsieger-Cup-Endspiel Lazio Rom unterlag, im UCL-Finale 2000 gegen Real Madrid (0:3) keinen Auftrag hatte und heute eine eingeschworene hungrige Truppe rund um Superstar Mendieta, den manche als besten Kicker in Spanien bezeichnen, losschickt. Gegen Real hatten sie Fehler gemacht, sagt Cuper, "natürlich können wir auch gegen Bayern verlieren, aber wir werden nicht wieder diese Fehler begehen". Valencias Budget ist mit fast einer Milliarde Schilling um rund 300 Millionen Schilling größer als das des Gegners; Mendieta (63 Millionen Schilling brutto/ Jahr) verdient rund 14 Millionen Schilling mehr als Effenberg. Aber er soll ja auch besser als Figo sein, und so gut wie der ist Effenberg nie. (red)

(DER STANDARD, PRINTAUSGABE 23.5. 2001)

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