Multimedia-Unternehmen Metabox AG stellt Insolvenzantrag

22. Mai 2001, 17:01
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Wegen akuter Zahlungsunfähigkeit

Das seit Monaten von Skandalen erschütterte Multimedia-Unternehmen Metabox ist zahlungsunfähig. Die Metabox AG stellte am Dienstag einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Hildesheim. Als Grund nannte der Hersteller so genannter Settop-Boxen zur Internetnutzung per Fernseher akute Zahlungsunfähigkeit.

Am Mittwoch solle in ersten Gesprächen mit dem Insolvenzverwalter nach Wegen gesucht werden, das Unternehmen weiter zu führen. Der Vorstandsvorsitzende Stefan Domeyer sei optimistisch, dass dies gelingen könne, sagte eine Sprecherin am Nachmittag.

Serie von Krisen

Mit der Insolvenz hat eine seit Monaten andauernde Serie von Krisen bei Metabox einen neuen Höhepunkt erreicht. Zuletzt hatte das Unternehmen Ende April seine Jahresbilanz nicht fristgerecht vorgelegt und dann verspätet nicht testierte Zahlen präsentiert. Der Jahresfehlbetrag lag mit 189 Millionen Schilling fast 56 Millionen Schilling höher als noch im Jänner angegeben. Vorher war sogar von Gewinn die Rede gewesen. Zuvor setzte Metabox wiederholt die Umsatzerwartung herunter: Aus zunächst angekündigten 1.400 Millionen Schilling wurden schließlich 330 Millionen Schilling. Der für 2001 angekündigte Umsatz von 4,2 Milliarden Schilling wurde Anfang Mai ohne neue Angaben zurückgezogen.

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt wegen des Verdachts des Kapital- und Kursbetrugs sowie des Insiderhandels. So gibt es Zweifel an drei angeblichen Großaufträgen aus dem Ausland, die Metabox 2000 per Börsen-Pflichtmitteilung (Ad-hoc-Mitteilung) veröffentlichte. Die Auftraggeber sind bis heute nicht öffentlich bekannt.

Schwere Vorwürfe

Außerdem veröffentlichte das Magazin "Der Spiegel" Vorwürfe, Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder hätten bei Kapitalerhöhungen Aktien des Unternehmens deutlich unter Marktpreis gezeichnet. Domeyer wies dies zurück. Im Zuge der Ermittlungen wurden die Unternehmenszentrale und Wohnungen von Führungskräften durchsucht. Ende März zog Domeyer angesichts der finanziellen Probleme die Reißleine: Er entließ ein Drittel der 120 Beschäftigten, um 19,6 Millionen Schilling Personalkosten im Jahr zu sparen. (APA/dpa)

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