Berlusconi ließ heiklen Gerichtstermin verschieben

22. Mai 2001, 15:42
posten

Medienunternehmer sollte im Wahlkampf in Mafia-Verfahren aussagen

Rom - Der künftige italienische Regierungschef Silvio Berlusconi hat während seines Wahlkampfs einen heiklen Auftritt als Zeuge in einem Mafiaprozess in Sizilien verschieben lassen. Das Gericht in Palermo sei einem Gesuch Berlusconis nachgekommen, dessen Aussage gegen einen engen Gefolgsmann auf einen Termin nach der Parlamentswahl am 13. Mai zu verlegen, teilten zwei Staatsanwälte am Dienstag mit. Berlusconi habe damit unliebsame "politische Spekulationen" während des Wahlkampfs vermeiden wollen.

Das Gericht wolle demnächst einen neuen Termin für die Zeugenaussage festsetzen. Bei dem Prozess geht es um den Verdacht, dass ein enger politischer und geschäftlicher Mitstreiter des Medienunternehmers, Marcello Dell'Utri, über Jahrzehnte hinweg Kontakte zur sizilianischen Mafiaorganisation Cosa Nostra unterhalten haben soll. Berlusconis Parteienbündnis "Haus der Freiheiten" ging aus der Wahl als Sieger hervor.

Dell'Utri ist einer der Mitbegründer der Berlusconi-Partei Forza Italia und leitete früher das Werbeunternehmen Publitalia, das zu Berlusconis Fininvest-Konzern gehört. Mehrere ehemalige Mafiosi beschuldigen ihn, von Anfang der 60er bis Mitte der 90er Jahre Verbindungen zur Cosa Nostra unterhalten zu haben. Dell'Utri bestreitet die Vorwürfe. Seine Treffen mit Mafiamitgliedern seien allenfalls "zufällig" und ohne sein Wissen zustande gekommen. Er wurde bei der Wahl als Senator ins italienische Oberhaus gewählt. Zuvor war er Abgeordneter im Europäischen Parlament und saß dort im Justizausschuss. (APA)

Share if you care.