Michael Schumacher Ferrarista auf Lebenszeit?

23. Mai 2001, 14:48
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Die Verträge beider Piloten wurden verlängert - Schumacher hat jedoch ab 2004 andere Optionen

Monte Carlo - Michael Schumacher kann als Rekordpilot von Ferrari Geschichte schreiben. Der dreifache Weltmeister wird nach Ablauf seines neuen Vertrags mit insgesamt neun Jahren der Fahrer mit der längsten Dienstzeit bei der "Scuderia" und damit selbst der Mittelpunkt der von ihm zu Saisonbeginn angekündigten "Ferrari-Ära" der Formel 1 sein.

Der teuerste Fahrer aller Zeiten war er ohnehin schon länger, doch nun steuert der Deutsche wohl in neue Dimensionen. Auf "über 1.200 Milliarden Lire" (620 Mio. Euro/8,53 Milliarden Schilling) rechnete die "Gazzetta dello Sport" am Mittwoch die Gesamteinkünfte des Formel-1-Stars in seiner Karriere bis zum Jahr 2004 hoch und kommentierte: "Dies ist mehr als der Gesamtumsatz von Ferrari im Jahr."

"Es hat sich einfach so ergeben"

Der für die Öffentlichkeit etwas überraschende Zeitpunkt der vorzeitigen Vertragsverlängerung bis 2004 kurz vor dem Großen Preis von Monaco war nach Angaben seines Managers ein logischer Schritt. "Er fühlt sich unheimlich wohl. Der Erfolg ist da, und alle verstehen sich blendend", begründete Willi Weber die frühe Entscheidung, obwohl der alte Vertrag noch bis 2002 gelaufen wäre. "Es hat sich einfach so ergeben. Je früher desto besser", so Weber, der bisher immer von einem eventuellen Abwarten bis Saisonende gesprochen hatte: "Damit wollte ich die Journalisten von dem Thema ablenken."

Vorsichtige Schätzungen

Über die Modalitäten des neuen Kontrakts wollte sich Weber nicht äußern. "Dazu darf ich leider nichts sagen." Italienischen Medienberichten zufolge wird die Jahres-Gage des 32-jährigen vom Team angeblich auf umgerechnet rund 530 Millionen Schilling aufgestockt. Außer den Bezügen vom Rennstall hat Schumacher noch Einkünfte aus Verträgen mit seinen zehn persönlichen Sponsoren sowie aus dem Marketing mit Fanartikeln. Branchenexperten schätzen, dass ein Unternehmen mindestens 70 Millionen Schilling im Jahr investieren muss, um mit dem schnellen Deutschen zu werben.

Ersatz für Barrichello steht bereit

Rubens Barrichello, dessen Vertrag um ein Jahr bis Ende 2002 verlängert wurde, soll nach Angaben aus Italien mit rund 112 Millionen Schilling entlohnt werden. Im kommenden Jahr müsse der Brasilianer zeigen, ob er so schnell wie Teamkollege Schumacher sein könne, hieß es weiter. Sonst könne er durch einen neuen Mann wie Sauber-Pilot Kimi Räikkönen ersetzt werden.

Schumacher hat mit seiner langen Dienstzeit alle Ferrari-Größen von früher überholt. Clay Regazzoni und Gerhard Berger fuhren mit Unterbrechungen je sechs Jahre in Rot, die Ex-Weltmeister Alberto Ascari und Niki Lauda vier Jahre. Silberpfeil-Pilot Mika Häkkinen ist allerdings noch treuer als Schumacher: Der Finne fährt jetzt schon im neunten Jahr in Serie für McLaren.

"Ferrarista fürs Leben"

In Italien wird offenbar fest mit einer lebenslänglichen "Ehe" zwischen dem Rheinländer und der "Scuderia" gerechnet. "Schumacher wird ein Ferrarista fürs Leben", titelte die "Gazzetta". Tatsächlich liegt der Schluss nahe, dass Schumacher nach 2004 womöglich andere Aufgaben bei dem italienischen Unternehmen übernimmt. "Wir wollen ihn auf ewig halten", hatte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo schon angekündigt.

Stabilität in Schumachers Umfeld

Besonders wichtig ist für Schumacher die Konstellation in der Führungsebene. Zuletzt hat sich Montezemolo gegen eine politische Karriere und für einen Verbleib im Unternehmen entschieden, worüber sich der dreifache Champion sehr freute. Zudem kann er weiter mit seinem Freund Jean Todt, seinem bewährten Strategen Ross Brawn sowie dem Aerodynamik-Spezialisten Rory Byrne und dem Motorenchef Paolo Martinelli zusammenarbeiten, die Schumacher alle sehr schätzt, denn "Stabilität ist wichtig für ein Team". (APA/dpa)

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