Botswana: AIDS bedroht spektakuläre Erfolgsgeschichte

24. Mai 2001, 11:25
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Wieder zurück zu den ärmsten Ländern?

Johannesburg - Botswana ist das einzige Entwicklungsland, dem es gelungen ist, den Armutsstatus zu überwinden. Nun droht Aids die Errungenschaften der letzten 30 Jahre zunichte zu machen.

"HIV/Aids ist eine riesige Gefahr für all die positiven sozialen Indikatoren, auf die wir so stolz sind", sagte unlängst der botswanische Staats- und Regierungschef Festus Mogae. Die Immunschwächkrankheit bedrohe eine ganze Generation.

Auch Reverend Mpho Moruakgomo ist äußerst besorgt: "Es gibt kein größeres Risiko für uns als HIV/Aids." Nach Schätzungen des UN-Aids-Programms (UNAIDS) ist jeder dritte Einwohner des Landes im südlichen Afrika HIV-positiv oder leidet bereits an der voll ausgebrochenen Krankheit.

Etwas optimistischer als der Staatschef und der Kirchenmann ist Lula Gebreyesus, die Exekutivdirektorin des 'Africa Institute for Policy Analysis and Economic Integration' (AIPA) im südafrikanischen Kapstadt. "Botswana ist seit 15 Jahren das wirtschaftlich stärkste Land in der Region, und das wird auch noch für eine ganze Weile so bleiben", meint die Entwicklungsfachfrau.

Allerdings glaubt auch sie, dass HIV-Aids das Wachstum verlangsamen wird. Gebreyesus führt den Erfolg des Staates mit nur 1,5 Millionen Einwohnern auf die starke demokratische Tradition und seine finanz- und wirtschaftspolitisch beschlagene Staatsführung zurück.

Seit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahre 1966 hat Botswana drei Staatspräsidenten erlebt: Seretse Khama, Ketumile Masire und jetzt Mogae. Jeder von ihnen hat vor der Übernahme des höchsten Amtes im Finanz- oder im Wirtschaftsministerium gedient und die entsprechenden Erfahrungen später genutzt.

Auch wurde zwar bislang jede Wahl von der 'Botswana Democratic Party' (BDP) gewonnen, aber sie ist nie als einzige angetreten. Bisweilen nahmen an den Wahlen an die 15 Parteien teil. Zudem gilt Botswana als ein Land, das die Menschenrechte achtet und Pressefreiheit gewährt. Daran haben auch zwei Vorfälle jüngeren Datums nichts geändert.

So trat Chris Bishop, der ehemalige Chef des staatlichen Fernsehsenders, zurück, weil er - wie er begründete - einen Bericht über die im April hingerichtete Südafrikanerin Mariette Bosch zurückziehen musste, die von einem Gericht des Mordes für schuldig befunden wurde. Auch hat die älteste unabhängige botswanische Zeitung 'The Guardian' den Staat als Werbekunden verloren, weil sie einige Mitglieder des Kabinetts des Amtsmissbrauchs bezichtigt hatte.

Botswana startete in die Unabhängigkeit als eines der ärmsten Länder der Welt. Im Verlauf der letzten Jahre 30 gelang es dem Staat südlich der Sahara dennoch, aus der Riege der LDCs ('Least developed countries') in die Kategorie der Entwicklungsländer aufzusteigen. Heute wächst die Wirtschaft im Schnitt um jährlich sieben Prozent und damit so schnell wie die kaum eines anderen afrikanischen Landes. Einige Sektoren - so der Telekommunikations- , der Eisenbahn- und Luftverkehrsbereich - haben nach Angaben der Regierung sogar zweistellige Wachstumsraten.

Vor allem dank der reichen Diamantenvorkommen, deren Export 45 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmachen, hat der Staat Devisenreserven, die die Importe von 26 Monaten decken. Gut aber funktionieren auch der Fleischexport und vor allem die Tourismusindustrie. Für ihren Boom sorgen das Okavango-Delta, das größte Inlandsdelta der Welt, und der nahegelegen Chobe- Nationalpark, der die weltweit größte Elefantenpopulation beherbergt.

Trotzdem aber lebten 1999 nach dem 'World Fact Book' etwa die Hälfte der Einwohner in Armut und 20 bis 40 Prozent der Bevölkerung ohne Arbeit. Bis zum Jahre 2016 hofft die Regierung dies zu ändern. Sie plant große Investitionen in die Bereiche Bildung, Infrastruktur, Umweltschutz und Wohnungsbau und den Ausbau des Sozialnetzes.

Zwei der wichtigsten Entwicklungsprojekte sind bereits angelaufen. Der Bau einer Wasserpipeline von Nord nach Süd, die das Dürre geplagte Land dringend benötigt, und der Ausbau der Trans-Kalahari-Straße, die die botswanische Hauptstadt Gaborone und das weiter nördlich gelegene Francistown mit dem namibischen Hafen Walvis Bay verbinden soll. (IPS)

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