Erste Bank-Analystin: EZB-Zinssenkung noch vor Juli

25. Mai 2001, 16:47
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Liquiditätsengpass wegen Euro-Bargeldeinführung

Wien - Von Seiten der Europäischen Zentralbank (EZB) erwartet Erste Bank-Analystin Veronika Lammer relativ schnell (bis Juli) noch eine Zinssenkung um 25 Basispunkte "und dann ist Schluss". Zumindest für die nächsten zwölf Monate und bis zur Rückbildung der Inflation, so Lammer am Dienstag anlässlich der Präsentation der halbjährlichen Konjunktur- und Kapitalmarktprognose 2001 der Erste Bank in Wien.

Die jüngste überraschende Zinssenkung der EZB geht laut Lammer auf die Neubewertung der Geldmengenentwicklung durch die EZB zurück. Das Wachstum der Geldmenge M3 habe sich nach Bereinigung um Sondereffekte - etwa der Herausrechnung der Geldhaltung von Ausländern - von 5 auf 4 Prozent zurückgebildet.

Liquiditätsengpass

Gegen Jahresende erwartet Lammer auf Grund der Euro-Bargeldeinführung einen Liquiditätsengpass. Die Geldmarktzinssätze werden daher im vierten Quartal volatiler werden und "außergewöhnliche Ultimoaufschläge" von 40 bis 50 Basispunkten aufweisen. Für den Euro-Bargeldbedarf seien nämlich Sicherheitshinterlegungen bei der Nationalbank notwendig, so Lammer.

Nachdem die Wachstumsdifferenz zu den USA bereits positiv sei und sich die Inflationsdifferenz langsam abbaue, rechnet Lammer damit, dass sich auch die Renditedifferenz am Rentenmarkt zu den USA umdrehen wird. Die Renditespreads, die bisher negativ waren, werden positiv werden, Euroanleihen also eine höhere Rendite aufweisen als US-Anleihen. Der Rentenmarkt sollte sich laut Lammer im Bereich zwischen 4,80 und 5,20 Prozent für zehnjährige deutsche Staatsanleihen stabilisieren.

US-Sparquote bereits negativ

In den USA werden dagegen auch weitere Zinssenkungen der US-Notenbank Fed oder Steuersenkungen nicht den erhofften konjunkturbelebenden Effekt bringen, da die Sparquote in den USA bereits negativ ist, ist die Erste Bank überzeugt und stellt sich auf eine längere Konsolidierungsphase ein. "Die Frage ist, inwieweit es möglich bzw. sinnvoll ist, eine bereits negative Sparquote weiter zu verringern, denn nur zusätzliche Ausgaben bringen Wachstum", sagte Erste Bank-Analyst Rainer Singer .

Es sei schwer einschätzbar, bei welchem Zinsniveau sich die Fed zurücklehnen werde, um die Auswirkungen ihrer Maßnahmen zu evaluieren, meinte Singer. Jedenfalls sei mit einer weitere US-Zinssenkung im Ausmaß von 50 Basispunkten zu rechnen. (APA)

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