Preisverwöhnt: "Goldene Palme" und "Goldener Rathausmann" für Haneke

23. Mai 2001, 10:24
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Stadt Wien ehrt FilmemacherInnen

Wien - Mit einer "Goldenen Palme" und dem "Goldenen Rathausmann" wurde Michael Haneke am Dienstag von der Stadt Wien für seinen Erfolg bei den Filmfestspielen in Cannes geehrt. "Für Wien ist es tatsächlich eine goldene Palme", meinte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S), als er dem österreichischen Filmemacher bei einem Presse-Empfang im Rathaus eine vergoldete Zimmerpalme überreichte, "sie ist noch nicht ganz verwurzelt, aber ich hoffe, sie schlägt noch Wurzeln." Weitere "Goldene Palmen" erhielten Wega-Film-Produzent Veit Heiduschka und - eine kleine ("die kann ja noch wachsen", so Mailath-Pokorny) - die ebenfalls in Cannes vertretene Jungfilmerin Jessica Hausner.

"Lebende Blumen"

Haneke durfte außerdem einen Faksimile-Druck eines Berliner Kinoplakates Jahrgang 1906 aus der Wiener Stadt- und Landesbibliothek mit dem Titel "Lebende Blumen" entgegennehmen, hatten sich doch, so Mailath-Pokorny, "historische Tage in Cannes" ereignet. Der Kulturstadtrat erhoffte sich "einen weiteren Impuls für den österreichischen Film" und regte ein "Österreich-Gespräch über den österreichischen Film" an, in das die Filmbrache, sowie Bund, Länder und ORF eingebunden werden sollten. "Es genügt nicht, auf Kooperationen hinzuweisen, sondern Österreich und Wien als Filmstandort sollten die Initiative ergreifen", forderte Mailath-Pokorny. Dem ORF müsse weiterhin die kommerzielle Basis gegeben werden, als Partner des österreichischen Films aufzutreten. "Es genügt nicht, private Geldgeber zuzulassen, damit das der Markt regelt. Beispiele wie die Schweiz zeigen, dass das nicht funktioniert."

Der heimischer Film fällt auf

Haneke erinnerte daran, dass der heimische Film nicht das erste Mal internationale Erfolge verbuche, sondern immer wieder im Festivalgeschehen "überproportional gut vertreten" sei. "Das ändert nur leider nichts daran, dass die finanzielle Situation des österreichischen Films katastrophal ist, und wenn das neue ORF-Gesetz zum Tragen kommt, fällt wieder Geld weg." Nicht jeder habe, so wie er in Frankreich, ein zweites auswärtiges Standbein. "Die neue Regierung will sich vielleicht an der Filmszene revanchieren, die ja nicht besonders begeistert war von ihr", mutmaßte Haneke, um schließlich gleichsam eine Art nationalen Schulterschluss in Sachen heimischer Filmberichterstattung anzuregen. Zum "relativ peripheren Stellenwert von Film in der öffentlichen Meinung" trage die Ansicht von Journalisten bei, "alles was aus Österreich kommt, kann nicht gut sein. Politiker werden immer das machen, was Stimmen bringt. Und man kann dem Film leicht Geld wegnehmen, wenn man dafür Applaus kriegt."

"Materialien aus den Gesprächen mit Politikern"

Gerhard Schedl, Direktor des Österreichischen Filminstituts (ÖFI), kündigte die Veröffentlichung von "Materialien aus den Gesprächen mit Politikern" an. Der Geschäftsführer der Austrian Film Commission (AFC), Martin Schweighofer, der Haneke als "Ausnahmefigur des europäischen Kinos" unter die "Top fünf unter den europäischen Regisseuren" reiht - "ich habe das Gefühl, dass das in Österreich ein bisschen übersehen wird" - berichtete von einer "Flut" an positiven Reaktionen und von zahlreichen Angeboten, mit Österreich zu koproduzieren. Und Jessica Hausner erklärte als Vertreterin der jungen heimischen Filmszene: "Wir sind alle irrsinnig stolz auf Michael Haneke und hoffen, dass sein Erfolg die Situation in Österreich verbessert. Denn es gibt einige, die was drauf haben." (APA)

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