"Reise an kein Ende der Welt"

22. Mai 2001, 14:06
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Judaica aus aller Welt - bis 23. September im Jüdischen Museum Wien

Wien - Judaica-Objekte aus Gemeinden der (beinahe) gesamten jüdischen Welt zeigt die kulturhistorische Ausstellung "Reise an kein Ende der Welt. Judaica aus der Gross Family Collection" (23. 5. bis 23. 9.), die heute, Dienstag, im Jüdischen Museum präsentiert wurde. Durch die Vielfalt der Objekte, die von 33 höchst unterschiedlichen Orten stammen, wird die prinzipielle weltweite Einheit jüdischer Religion und Tradition demonstriert. "Ich sah meine Kollektion mit neuen Augen", freute sich der Sammler William L. Gross über die von Felicitas Heimann-Jelinek kuratierte Ausstellung.

Gesenkten Hauptes durchwandert man die Ausstellung, denn die Schausäulen (auf denen die Objekte in sehr knapp bemessenen durchsichtigen "Reiseschatullen", so Gestalter Martin Kohlbauer, angebracht sind) stehen auf kreisrunden Inseln, auf denen aktuelle Fotografien den Herkunftsort der jeweiligen Gegenstände illustrieren. Die Fotografien zeigen das gegenwärtige jüdische Leben an diesen Orten, die Fotografie eines leeren Himmels im deutschen Emden schildert drastisch, dass es an diesem Ort keine jüdische Gemeinde mehr gibt. Um diese Fotografien wurde ein schmaler Ring mit ortsspezifischen Zitaten jüdischer Reisender, vom Mittelalter bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts, gelegt, die die Aktualität der Fotografien kontrastieren und "Zeiträume öffnen" sollen, so Kohlbauer. Frei gestalten kann man seine Reise durch fast das gesamte jüdische Museum, es gibt weder Chronologie noch Geographie, dafür eine eigene Wand mit Texten zur Geschichte jüdischen Lebens an den Herkunftsorten der Gegenstände.

"Mother of Boards"

"Judacia werden überall dort, wo eine jüdische Gemeinde ist, verwendet", so Heimann-Jelinek, "kein Ende der Welt", überall Bekanntes finden daher jüdische Reisende. Die Sammlung Gross bezeichnete sie als "die wichtigste und größte Judaica-Sammlung, die sich in privater Hand befindet". Neben Objekten von 33 Orten, von Frankfurt bis Cochin, von Wien bis Aleppo und von Wilna bis nach Djerba, gibt es auch noch, zeitgemäß, eine virtuelle Ergänzung: Eine (von zahlreichen) jüdische Gemeinde im Internet steht für die Frage, ob die "Judenheit mit diesem Eintritt in die Virtualität" nicht doch an einem "Ende der Welt angekommen" ist, wie es im zweisprachigen Ausstellungskatalog (deutsch/englisch, 390 S, 143 Seiten) heißt. Dazu gibt es eine von Lisa Gross gestaltete Skulptur, die aus Computerplatinen zusammengestellte "Mother of Boards".

Ausstellung auf Reisen

Nach Wien wird auch die Ausstellung auf Reisen gehen und voraussichtlich in Tel Aviv und New York zu sehen sein. Ebenfalls heute wurde der 5. Band des "Wiener Jahrbuchs für jüdische Geschichte, Kultur & Museumswesen" präsentiert, in dem neben der Ergebnisse des Symposiums "Walled Cities und die Konstruktion von Communities" (7. bis 9. 11. 2000 anlässlich des zehnjährigen Bestehens des jüdischen Museums) auch ein Überblick über die Ausstellungen und Veranstaltungen sowie über die wichtigsten Neuerwerbungen und Schenkungen des vergangenen Jahres zu finden ist (147 Seiten, 398 S).

(APA)

"Reise an kein Ende der Welt. Judaica aus der Gross Family Collection". Jüdisches Museum Wien, 23. 5. bis 23. 9. Öffnungszeiten: So bis Fr 10:00 bis 18:00 Uhr, Do 10:00 bis 20:00 Uhr. Karten zu 70 S/40 S, Schulklassen haben freien Eintritt. Info unter Tel. (01) 535 04 31, Im Internet: www.jmw.at
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