Euroländer auf der Überholspur

22. Mai 2001, 14:01
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Höheres Wachstum der Euroländer als in den USA in 2001 und 2002 - USA am Limit

Wien - Das Wirtschaftswachstum in den zwölf Euroländern wird nach Ansicht der Erste Bank heuer und auch im Jahr 2002 jenes der bisherigen Konjunkturlokomotive USA überholen. "Das Wirtschaftswachstum im Euroland beschleunigt sich, die USA legen eine wirtschaftliche Verschnaufpause ein", fasste Erste Bank-Chefanalyst Friedrich Mostböck die Meinung der Bank anlässlich der Präsentation der "Eurovisionen", der Konjunktur- und Kapitalmarktprognose der Erste Bank für das zweite Halbjahr 2001, zusammen.

Während die USA in den nächsten Jahren noch an den Folgen der vorangegangenen Überhitzung zu kämpfen haben werden, sind die europäischen Wachstumsaussichten laut den Volkswirtschafts- und Kapitalmarktexperten der Erste Bank auf längere Zeit intakt. "In den USA läuft alles am Limit, wir gehen von einem strukturellen Problem der US-Wirtschaft aus und sehen daher eine längere Konsolidierungsphase", sagte Erste-Analyst Rainer Singer.

"Euroland ist in einer guten Situation"

"Euroland ist in einer guten Situation", zeigte sich dagegen Euroland-Expertin Veronika Lammer optimistisch. Die Kapazitätsauslastung und das Konsumentenvertrauen seien hoch, der Beschäftigtenstand niedrig und die Effekte der Steuerentlastung sollten sich auch noch auswirken. Dazu komme noch die jüngste geldpolitische Lockerung durch die Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB). "Sowohl bei den Erweiterungsinvestitionen als auch beim privaten Konsum gibt es nach geringen Wachstumsraten in den 90er Jahren Nachholbedarf", begründete Lammer.

Ob sich die positiven Aussichten in Europa dann auch durchsetzen werden, werde zu einem Großteil vom Vertrauen der Unternehmer in den Aufschwung abhängen, meinte Lammer.

Solide Zuwächse erwartet

Im Detail geht die Erste Bank in ihrer jüngsten Prognose von einem BIP-Wachstum 2001 in den USA von 1,5 Prozent und von 2,8 Prozent für das Euroland aus. Im Folgejahr erwartet die Bank 2,5 bzw. 2,6 Prozent für die USA bzw. die Euroländer. Die Inflationsraten für beide Wirtschaftsräume werden mit 2,8 (USA) bzw. 2,2 Prozent (Eurozone) für 2001 und 2,4 bzw. 2,0 Prozent für 2002 prognostiziert.

Auch die gemeinsame Währung der Euroländer sollte von den guten Konjunkturaussichten profitieren. "Wenn die Stimmung zu Gunsten des Euro kippt, kann es schnell aufwärts gehen", so Lammer. Bereits für September prognostiziert die Erste Bank einen Eurokurs von 0,97 Dollar je Euro. Bis zum Jahresende sollte der Euro dann über die 1-Dollarmarke steigen können. Lammer befürchtet durch einen festeren Euro keine negativen Auswirkungen auf den Außenhandel. "Die Parität zum Dollar ist für den Euro sehr niedrig, damit können die Exporteure sehr gut leben." Wichtiger für die Exportwirtschaft sei die Konjunkturentwicklung in den USA. (APA)

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