Laut Studie sind neun von zehn Fußgängerunfällen vermeidbar

22. Mai 2001, 14:03
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"Sicher gehen in Stadt und Dorf"

Wien - Das Unfallrisiko für Fußgänger nimmt seit Mitte der neunziger Jahre zu. Durch Verkehrsunfälle, die Fußgänger erleiden, entstehen in Österreich laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ) jährlich Kosten in der Höhe von rund zwölf Milliarden Schilling. Bis zu 161 Verkehrstote könnten nach Ansicht der Organisation jedes Jahr vermieden werden. Eine Studie, wie dieses Ziel zu erreichen wäre hat der VCÖ am Dienstag in Wien vorgestellt.

Ein halber Kilometer pro Tag zu Fuß

"Gehen ist die Grundlage der Mobilität", erklärte Wolfgang Rauh vom VCÖ-Forschungsinstitut. Laut Untersuchungen werden etwa 27 Prozent der Ziele in Österreich zu Fuß erreicht, sagte er. Etappenziele wie etwa der Weg zum Parkplatz mit eingerechnet liege der Anteil bereits bei 50 Prozent. Jeder Österreicher ist täglich im Schnitt einen halben Kilometer "auf Schusters Rappen" unterwegs.

Knapp 2000 tote Fußgänger in 10 Jahren

Allein in den neunziger Jahren wurden laut VCÖ in Österreich 1.963 Fußgänger getötet, 49.097 erlitten Verletzungen - etwa soviel wie die Einwohnerzahl von St. Pölten. Nach Getöteten pro Million Einwohner liegt Österreich hinter Irland und Portugal an trauriger dritter Stelle. 1999 kamen in Österreich 23 Fußgänger pro Million Einwohner ums Leben. Zum Vergleich: In Deutschland waren es zwölf, in den Niederlande nur sieben.

Fuß- und Radwege

Laut VCÖ-Studie "Sicher gehen in Stadt und Dorf" könnte das Gehen um 90 Prozent sicherer gemacht werden. Bauliche Maßnahmen wie etwa Geh- und Radwege auf Freilandstraßen könnten dazu beitragen. Fußgänger gerechter Um- und Rückbau von Ortsdurchfahrten würde helfen, die Unfallzahlen zu senken und gleichzeitig für mehr Attraktivität der Ortszentren sorgen. Auch die Verlängerung des Sichtbereiches vor Schutzwegen von derzeit fünf auf zehn Meter brächte laut Verkehrsclub mehr Sicherheit.

Tempo 30

Bei Tempo 30 im Ortsgebiet würde die Überlebenschance eines Fußgängers bei einem Crash mit einem Pkw bei 95 Prozent liegen, so Rauh. Das Argument, der Verkehr würde durch eine solche Maßnahme drastisch verlangsamt, greife nicht: Die durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit bei generellem Tempo 30 statt 50 würde dabei nur um zwei km/h von 25,9 auf 23,9 sinken, betonte der VCÖ. Es müsse zu einer "Beweislastumkehr" kommen, forderte Rauh. Generell sollte im Ortsgebiet Tempo 30 gelten. Erst nach dem Nachweis, dass höhere Fahrgeschwindigkeiten kein zusätzliches Risiko bringen, könnte für einzelne Strassenzüge ein höheres Limit festgesetzt werden. Derzeit sei die Regelung genau umgekehrt.

Wohnstraßen

Eine besondere Aufwertung könnten die Wohnstraßen erfahren, so der VCÖ. Nach Schweizer Vorbild sollten sie zu so genannten "Flanierstraßen" umgewidmet werden. Fußgänger hätten zwar weiterhin absoluten Vorrang, die Fahrgeschwindigkeit könnte aber von Schrittempo auf etwa 20 km/h angehoben werden. (APA)

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