Hirntumore mir Poliovirus bekämpfen

22. Mai 2001, 13:59
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Eingeschleustes Erbgut eines Erkältungsvirus verhindert Kinderlähmung

Orlando - US-Forscher der Duke University wollen mit einem genetisch verändertem Polio-Virus Hirntumore erfolgreich bekämpfen. Wie sie auf einem Treffen der American Society for Microbiology in Orlando, Florida berichteten, konnten sie mit dem Erreger der Kinderlähmung die bisher tödliche Wucherungen im Gehirn von Mäusen erfolgreich behandeln.

"Das maligne Gliom – die häufigste Art der Hirntumore - ist fast immer tödlich, da es kaum chirurgisch oder mit einer Strahlen- und Chemotherapie behandelt werden kann", so Forscher Matthias Gromeier. Bei der neuen Therapie nutzten Gromeier und Kollegen das Poliovirus, dass sich bevorzugt an den Zelltyp CD155 anlagert und die Wirtszelle zerstört. CD155 kommt gerade bei Hirntumoren besonders häufig vor. Da das Virus zwar einerseits diese Tumorzellen zerstört, doch im menschlichen Hirn auch eine Kinderlähmung-Infektion auslösen kann, ersetzten die Forscher ein Teil des Erbguts mit Genen aus einem harmloseren Rhinovirus, das Erkältungen verursacht. "Wir entwickelten ein genetisch verändertes Virus, dass diese Krankheit bei Menschen nicht mehr auslösen kann. Dazu setzten wir die Gene eines Rhinovirus – einem Erreger von Erkältungen – in das Polio-Virus ein", beschreibt Gromeier sein Vorgehen.

Dieses Mischvirus wies immer noch ein hohes Zerstörungspotenzial für die Tumorzellen auf, verlor aber die Eigenschaft, Kinderlähmung auszulösen. Tierversuche an Mäusen mit Hirntumoren zeigten, dass eine einmalige Gabe dieses genetisch veränderten Erregers die tödliche Krankheit heilen konnte. "Untersuchungen des Gewebes haben ergeben, dass der Hirntumor binnen Tagen verschwand", so Gromeier. (pte)

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