Wirtschaftszahlen "partiell eher düster"

22. Mai 2001, 13:03
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Wifo-Studie zeigt Wien in einem wenig rosigen Licht

Wien - Der Bericht wird zwar erst in den kommenden Tagen offiziell präsentiert, und "ein paar Details" will Finanzstadtrat Sepp Rieder (SP) davor mit der Wirtschaftskammer noch diskutieren - aber an der generellen Aussage der Wifo-Studie über Wiens Konjunkturentwicklung im Jahr 2000 und die Schlussfolgerungen daraus hegt Rieder keine Zweifel. Und fröhlich stimmt ihn das nicht.

Schließlich, erklärte Rieder am Montag, sehe die Entwicklung - im Vergleich mit anderen Bundesländern - "partiell eher düster" aus. So weise Wien mit zwei Prozent Wirtschaftswachstum einen nur halb so hohen Wert wie der Rest Österreichs auf.

Die Gründe dafür, so der Wirtschaftsstadtrat, wären oft weder hausgemacht noch neu: Dass eine Absiedelung von Produktionsbetrieben ins Umland stattfinde, plage "auch andere Millionenstädte". Und die Zunahme an IT-Arbeitsplätzen könne die Abnahme an minderqualifizierten Jobs nicht wett machen.

Auch, dass in Zeiten der Hochkonjunktur exportorientierte Standorte in Westösterreich besser dran wären, sei weder neu noch ein "Verschulden" Wiens oder der Ostregion. Man werde, so Rieder, weiterhin auf die EU-Beitrittskandidaten setzen.

Sehr wohl heimischen Zuschnittes, kritisierte der Finanzstadtrat, sei allerdings die von Wien befürchteten - und durch stagnierende Werte bereits vorangekündigten - Einbußen in der Bauwirtschaft: "Wenn der Bund bei notwendigen Infrastrukturmaßnahmen auslässt, ist das ein negatives Signal." Eines, dem Rieder gerne entgegenwirken würde: "Wenn etwa am Praterstern die U2 gebaut wird und die ÖBB gleichzeitig die S-Bahn modernisieren, könnte das Multiplikatoreneffekte haben."

Neben dem Ausfall einer Vielzahl an öffentlichen Investitionen wirken sich für Wien auch Einsparungen im öffentlichen Dienst negativ aus, fürchtet Rieder: "In anderen Ländern, wo der Ausfall öffentlicher Investitionen privatwirtschaftlich kompensiert wird, ist das kein Problem - aber die Nulldefizit-Budgetierung löst einen Zeitdruck aus, der zu einer starken Kumulierung von Problemen führen kann." (rott, DER STANDARD Print-Ausgabe 22.Mai 2001)

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