90 Prozent der Sterne sind bereits "ertrunken"

22. Mai 2001, 19:54
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Weißt Du wie viel Sternlein stehen? - Beobachtungsaufruf für die so genannte Lichtverschmutzung

Wien - Langsam aber sicher können die Astronomen eine Antwort auf die knifflige Frage eines Kinderliedes geben: "Weißt Du wie viel Sternlein stehen? - Es sind 450!" Das ist das vorläufige Ergebnis der ScienceWeek-Aktion "Wieviele Sterne sehen wir noch?", die gemeinsam vom Institut für Astronomie der Universität Wien und dem Verein Kuffner-Sternwarte organisiert wurde. Ziel war die Erfassung der so genannten Lichtverschmutzung in Österreich.

Als Lichtverschmutzung beklagen Astronomen die künstliche Aufhellung des Nachthimmels durch Straßen- und Gebäudebeleuchtungen, Reklamelichter und ähnliches. Mit zunehmender Aufhellung entziehen sich zuerst schwache und dann auch mittelstark leuchtende Sterne der Beobachtung. Das Problem ist in Ballungszentren besonders eklatant, kann die Forschungen aber mittlerweile auch in abgelegenen Gebieten beeinträchtigen.

"Tower-Kill-Phänomen"

Die Lichtverschmutzung ist aber nicht nur ein Problem der Astronomen und Hobbysterngucker. Biologen konnten nachweisen, dass Zugvögel von beleuchteten Wolkenkratzern angezogen werden und durch Kollisionen mit diesen Gebäuden den Tod finden. In Fachkreisen hat sich dafür der Fachausdruck "Tower-Kill-Phänomen" eingebürgert. Durch so genannte Skybeamer - in den Himmel strahlende Disco-Laser - können Zugvögel von ihrem Kurs abgebracht werden.

Die Bevölkerung wurde für die Aktion "Wie viele Sterne sehen wir noch?" aufgerufen, das Sternbild des Kleinen Wagen zu suchen, und die vom jeweiligen Standort sichtbaren Sterne zu zählen. Der Kleine Wagen diente so gleichsam als Maß für die Lichtverschmutzung. Mittlerweile sind bei den Organisatoren über 1.000 Einsendungen eingegangen.

Die Auswertungen der Astronomen klingen ernüchternd. Der - durchschnittliche - Himmel über Österreich enthält nicht etwa zigtausende, sondern gerade einmal 450 Sterne. Damit sind nach Auskunft der Experten 90 Prozent der Sterne bereits "im Licht ertrunken".

Auf Grund der günstigen Wetterprognose haben die Wissenschafter ihre Aktion bis zum 31. Mai verlängert. Besonders gefragt sind Beobachtungen aus entlegenen alpinen Gebieten, hier gibt es noch jede Menge weiße Flecken auf der Landkarte der Lichtverschmutzung in Österreich. (APA)

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