"Überrumpelt, verraten und brutal abserviert"

23. Mai 2001, 23:49
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Klagenfurter Seebühne: Ex-Intendant enttäuscht von Haider - Kärntner SPÖ äußert Bedenken gegen Übernahme von deutscher Betreibergruppe

Klagenfurt - Die Kärntner SPÖ hat am Dienstag neue Bedenken gegen die Übernahme der im vergangenen Jahr installierten Seebühne in der Ostbucht des Wörther Sees an eine deutsche Betreibergruppe angemeldet. Landeshauptmann-Stellvertreter Peter Ambrozy (S) will insbesondere geklärt wissen, wer hinter der Gesellschaft steckt und von wem sie finanziert wird. Weiters müsste geklärt werden, ob - wie versprochen - wirklich kostendeckend produziert werden könne, sagte Ambrozy vor Journalisten.

Subventionen

Laut Angaben von Landeshauptmann Jörg Haider (F) und des Klagenfurter Bürgermeisters Harald Scheucher (V) handelt es sich um eine privatwirtschaftliche Gesellschaft, die einen Kooperationsvertrag mit dem Intendanten des Berliner "Theaters des Westens", Elmar Ottenthal, unterhält. Dazu meinte Ambrozy, seines Wissens nach seien die Produktionen Ottenthals extrem teuer. Er glaube daher nicht, dass der gebürtige Österreicher in Klagenfurt ohne Subventionen auskommen werde können.

Generell sprach der SP-Politiker im Zusammenhang mit der Zukunft der Seebühne - sie feierte im vergangenen Jahr mit "The Rocky Horror Show" große Erfolge - von einer "Husch-Pfusch-Aktion". Nicht nur, dass eine Reihe zusätzlicher Infrastruktureinrichtungen notwendig wären, müsste die Frage einer Landeshaftung rasch geklärt werden.

Nach den Vorstellungen Haiders soll die Bühnen-Übernahme im kommenden Jahr realisiert sein. Heuer wird auf der Seebühne das Musical "Evita" als Eigenproduktion des Klagenfurter Stadttheaters aufgeführt. Die neue "Wörthersee-Veranstaltungs- und Verwertungsgesellschaft", der neben dem "Theater des Westens" auch das "Deutsche Theater" in München angehört, will jährlich zwei Musical-Aufführungen nach Klagenfurt bringen.

Verraten

Der Intendant des Stadttheaters und bisherige Intendant der Seebühne, Dietmar Pflegerl, fühlt sich nach eigenen Worten beim Verkauf "überrumpelt, verraten und brutal abserviert". Er habe auf das Wort Haiders gebaut, der ihm versprochen habe, die Seebühne werde "ein Beitrag zum Kärntner Kulturschaffen sein".

Ambrozy fordert in diesem Zusammenhang, dass das Stadttheater auch künftig eine Produktion pro Saison auf der Seebühne inszenieren sollte. Der SPÖ-Vorsitzende: "Ich verlange, dass die Kärntner Kultur und vor allem unser hervorragendes Klagenfurter Stadttheater auch künftig eingebunden werden". (APA)

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