Corel stellt WordPerfect Office 2002 vor

22. Mai 2001, 11:28
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Zwei Wochen vor dem Microsoft-Paket - Bemerkenswerte Zusatzfunktionen - Mitunter noch sehr instabil

Zwei Wochen vor Erscheinen des neuen Office-Pakets von Microsoft hat der kanadische Konkurrent Corel die Neufassung seiner Software-Suite für Büroanwendungen vorgestellt. Zu den Neuerungen gehört neben Zusatzfunktionen ein E-Mail-Programm, das die elektronische Post flott und übersichtlich darstellt.

Viel Abstürze

Dieser gute Eindruck wird aber mitunter von Systemabstürzen beim Arbeiten mit anderen Bestandteilen des Pakets getrübt. Die Software besteht aus Textverarbeitung (WordPerfect), Tabellenkalkulation (Quattro Pro), Präsentationssoftware (Corel Presentations), Datenbankanwendung (Paradox) sowie persönlicher Adress- und Terminverwaltung mit E-Mail (CorelCentral).

Schweizer können aufatmen

Den Verzicht auf eine deutschsprachige Oberfläche wird der geübte Benutzer verschmerzen. Bei zentralen Funktionen wie der Rechtschreibprüfung versteht die Software Deutsch, und auch das Schweizer Deutsch kann auf richtige Schreibweise überprüft werden. Wer bisher schon Dokumente mit WordPerfect geschrieben hat, wird zu schätzen wissen, dass im Unterschied zu Microsoft Word nicht für jede geöffnete Datei ein eigenes Programmfenster gestartet wird: Stattdessen kann mit einem einfachen Mausklick bequem zwischen den verschiedenen Texten hin und her gesprungen werden. Die neue Ausgabe von WordPerfect, inzwischen bei Version 10 angekommen, hat vor allem den Umgang mit Tabellen erweitert. Auch kann beliebiger Text jetzt in ein vordefiniertes Tabellenformat gebracht werden.

Einführung von Variablen

Eine praktische Neuerung ist der aus der Welt der Programmierer übernommene Einsatz von Variablen: Wenn häufig genutzte Textteile als Variablen definiert werden, lassen sich Änderungen zentral am Inhalt dieses Platzhalters vornehmen. Bei umfangreichen Werken wird so viel Zeit gespart, weil nicht erst alle Stellen aufgerufen werden müssen, an denen der entsprechende Text vorkommt.

MP3-Dateien in einer Slide-Show

Bei Quattro Pro - dem Pendant zu Microsoft Excel - fallen bei der neuen Version vor allem die erweiterten Möglichkeiten auf, um Daten in attraktiv aufgemachten Diagrammen zu präsentieren. Corel Presentations heißt die Alternative zu Microsoft PowerPoint. Hier können jetzt auch Audiodateien im MP3-Format und animierte GIFs in die Slide-Show eingebunden werden. Zur Corel-Strategie gehörte bisher schon die Unterstützung populärer Dateiformate - nun wird bei Präsentationen auch das Speichern im Macromedia-Flash-Format angeboten, das zusätzliche Möglichkeiten für die Gestaltung von Internet-Seiten bietet. Zu den vielfachen Zusatzfunktionen des Pakets gehört auch das Programm QuickViewPlus, mit dem sich der Inhalt beliebiger Dateien betrachten lässt, ohne dass die dafür erforderliche Anwendung installiert sein muss.

Bessere Unterstützung des PDF-Formats

In der neuen Version wurde Corel zufolge auch die Unterstützung des PDF-Formats verbessert. Doch beim Versuch, eine Corel-Präsentation als PDF-Datei zu speichern, zeigte sich im Test der mitunter recht instabile Charakter der Software. Nach dem Anklicken des entsprechenden Menübefehls stürzte nicht nur das Programm ab, sondern riss auch das sonst so stabile Windows 2000 mit sich. In einem solchen Fall nützt auch der neue Application Recovery Manager nichts, der einen Programmabsturz abfangen und das gerade bearbeitete Dokument retten soll.

"Europäische Technik nicht ausgereift genug"

Wer technisch mit der Zeit gehen will, kann seine Dokumente mit WordPerfect Office auch diktieren - hierfür gehört in der Professional-Ausgabe die Spracheingabe-Technik Dragon Naturally Speaking dazu. Microsoft bietet eine eigene Spracheingabe nur in der amerikanischen Ausgabe von Office XP an - in Europa wird dies bisher nicht angeboten, was damit begründet wird, dass die Technik noch nicht ausgereift genug ist.

Standard-Version ab 6.729 Schilling

WordPerfect Office 2002 erfordert einen PC ab Pentium-166 und einem Betriebssystem ab Windows 95. Die minimale Arbeitsspeicherausstattung liegt bei 16 MB, sinnvoll sind aber mindestens 32 MB. Eine Standardinstallation (ohne Spracheingabe) belegt etwa 250 MB auf der Festplatte. Corel vertreibt sein Office-Paket in zwei Ausgaben. Die Standardversion (ohne Paradox) kostet 489 Euro (6.729 S), die Professional-Ausgabe 599 Euro (8.242 S). (Von Peter Zschunke/AP)

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